Inhalt

Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
April, April - oder nicht?

In Zeiten politischer Verwerfungen trägt der Aprilscherz zur Wahrheitsfindung bei. Der Gedanke dahinter ist durchaus klug: "Was wäre, wenn...?", fragt zaghaft an den Fingernägeln kauend der Aprilscherz-Verkünder und geht vorsichtshalber schon mal in Deckung. In der Politik nennt man sowas, einen Testballon fliegen lassen. Dann gucken alle ganz gespannt, wie weit es den Ballon trägt, oder ob er gleich platzt. Horst Seehofer (CSU) ist ja einer, der schon so viele Testballons hat platzen lassen, dass die Kinder in Bayern an Geburtstagen nur noch Wunderkerzen anzünden können. Ballons sind aus.

Aprilscherze mit hoher Wahrheitsdichte haben gerade Konjunktur. Einer, der sich mit Scherzen und selbst gedrechselten Wahrheiten auskennt, der Elektriker Elon Musk, hinterfragte am 1. April gleich sein ganzes Geschäftsmodell und verkündete die baldige Tesla-Pleite. Da an der Börse nur gehandelt und nicht gelacht wird, erlitt die Aktie eine unschöne Delle. Ein anderer Freund selbst definierter Wahrheiten, der Buddha des Silicon Valley, ein gewisser Mark Zuckerberg, verbreitete, er wolle alle Menschen in Frieden vereinen, auch die Armen. Ein Dreiklang also: Frieden, Wohlstand, Glück. Der Bettler mit Handy im sumpfigen Slum, die Fast-Food-Werbung gratis vom Display leuchtend. Eine Erleuchtung für alle.

Jetzt erkennen wir auch endlich die große Weisheit des US-Präsidenten. Der Mann stellt keine Forderungen, sondern Fragen! Mauer, Strafzölle, bewaffnete Lehrer, Ölpest in Reservaten, Klimawandel, eine tolle Ehe mit Melania. Ganz klar, für Donald Trump ist jeder Tag ein 1. April: Er verkündet, verdichtet, fragt. And the answer is blowin' in the wind.Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag