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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Dieses Buch handelt nicht von US-Präsident Donald Trump, dem "König der Aufmerksamkeit", sondern von der postfaktischen Demokratie: In einer solchen bilden weder Fakten noch Tatsachen die Grundlage für politische Entscheidungen, stattdessen sind Mutmaßungen und Lügen bestimmend. Verlierer dieser Entwicklung sind die Bürger, betonen Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard, Philosophen an der Universität Kopenhagen. Sie erläutern auf verständliche Art und Weise die neuen Begriffe, die mit der Entstehung der postfaktischen Demokratie einhergehen: Die "Aufmerksamkeitsökonomie" mit ihren "Aufmerksamkeitskaufleuten", den "Nachrichtenmarkt" oder die "Aufmerksamkeitsspekulation und politische Blasen".

Ihre Erkenntnisse gewinnen die Autoren vor allem aus der Analyse des Informationsmilieus, der Marktkräfte, der politischen Strategien und psychologischen Faktoren, die zum Sieg Trumps führten. Die "neue Wirklichkeit" war am 21. Januar 2017 im Weißen Haus angekommen: Als Trumps Chefberaterin Conway während eines Fernsehinterviews mit einer Lüge konfrontiert wurde, prägte sie den Begriff "alternative Fakten". Anstatt die Unwahrheit zuzugeben, leugnete sie die überprüfbaren Tatsachen.

Die Autoren berichten zudem über Verschwörungstheorien aus Frankreich und Dänemark. Auch im letzten Bundestagswahlkampf gab es spektakuläre Fehlmeldungen. So sei Bundeskanzlerin Angela Merkel angeblich bereit gewesen, zwölf Millionen Flüchtlingen Asyl zu gewähren. Ein Teil dieser Falschmeldungen wurde lokal in Umlauf gebracht, andere aus Russland lanciert. Hendrick und Vestergaard rechnen die Verbreitung von Fehlinformationen zu den großen Herausforderungen neben dem Klimawandel, der Krise der Wasserversorgung oder der ökonomischen Ungleichheit. Ihr Buch ist ein wichtiger Beitrag gegen die Täuschung der Wähler in Demokratien und verdient viele Leser.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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