Inhalt

Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Elf Tage vor der US-Präsidentschaftswahl tauchten neue Beweise zur E-Mail-Affäre Hillary Clintons auf. Die Politikerin hatte dienstlichen E-Mails über ihren privaten Server bearbeitet. Daraufhin informierte der damalige FBI-Direktor James Comey den Kongress, dass seine Behörde die eingestellten Ermittlungen gegen die ehemalige Außenministerin wieder aufnimmt. Für Clinton eine Hiobsbotschaft im Kampf um das Weiße Haus. Comey wiederum hatte mit seiner Aktion den bekanntesten Schlachtruf Donald Trumps gegen Clinton initiiert: "Sperrt sie ein!" Gleichzeitig erhielt Trumps Kampagne gegen das "Washingtoner Establishment" eine offizielle Legitimation. Nicht nur Wahl-Verliererin Clinton unterstellte Comey eine Einmischung in den Wahlkampf zu Gunsten Trumps. Immerhin stand der FBI-Chef den Republikanern nahe.

In seinem lesenswerten Buch versucht Comey, seine Entscheidungen zu rechtfertigen: Er wollte später kein Gerede, wonach er Clinton durch die Vertuschung neuer Fakten ins Amt geholfen habe. Comeys Argumentation überzeugt nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass in diesen Wochen in Washington bereits das "Steele-Dossier" über die geheimen Kontakte von Trumps Wahlkampfteam zu Russland kursierte. Die Analyse des ehemaligen britischen MI6-Spions Christopher Steele diente Comey als Grundlage für seine Ermittlungen gegen Russlands Einmischungen in den US-Wahlkampf. Allerdings wurde er erst tätig, nachdem Trump zum Präsidenten gewählt worden war und Comeys Loyalität eingefordert hatte. Comey entschied sich für das Gesetz und wurde prompt gefeuert.

Die "hollywoodreife" Klageschrift des Ex-FBI Direktors ist ein hochinteressantes Dokument der Zeitgeschichte: Der Leser erfährt nicht nur Einzelheiten über den Regierungsstil des amtierenden Präsidenten, sondern auch Interna über die gegenwärtige politische Kultur in den USA.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag