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Vor 50 Jahren...
Benjamin Stahl
Protest der Professoren

18.6.1968: 1.500 unterzeichnen "Marburger Manifest" Es war ein Ansinnen, das vor allem in konservativen Hochschulkreisen auf Ablehnung stieß: ein Mitbestimmungsrecht von Studenten. Im April 1968 hatte die Kultusministerkonferenz neue "Grundsätze für ein modernes Hochschulrecht und für eine strukturelle Neuordnung des Hochschulwesens" beschlossen. Darin war unter anderem eine "funktionsgerechte Mitsprache der an Forschung und Lehre beteiligten Gruppen einschließlich der Studenten" vorgesehen - der Stein des Anstoßes: Am 17. April unterzeichneten zunächst 35 Professoren das "Marburger Manifest", in dem sie in sechs Punkten ihre Ablehnung gegen eine Demokratisierung der Hochschulen zum Ausdruck brachten. Bis 18. Juni wuchs die Zahl der Unterzeichner auf rund 1.500 - gut ein Viertel aller westdeutschen Professoren. In dem Manifest wandten sie sich gegen die Übertragung eines parlamentarischen Verhältniswahlrechts auf universitäre Organisationsstrukturen. und sprachen sich gegen eine studentische Entscheidungsbeteiligung in allen wichtigen Universitätsgremien mit einem Stimmrechtsanteil von 33 Prozent aus. Sie sahen eine "Vermischung des Gedankenguts der Hochschulreform mit dem eines gesellschaftlichen Umsturzes insgesamt, wie er von radikalen Gruppen beabsichtigt wird" und warnten vor einer "Beschränkung der Freiheit von Forschung". 1973 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass eine Hochschulstruktur mit mitspracheberechtigten Gruppen verfassungsgemäß sei, wenngleich Hochschullehrer einen "maßgeblichen Einfluss" haben müssten.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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