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Aufgekehrt
Hans Krump
Der Stress an der Ampel

Bodenständig, arbeitsam, genügsam - so werden gemeinhin die Niedersachsen beschrieben. Humorvoll weniger. Das musste jetzt wieder das Verkehrsministerium in Hannover eindrucksvoll unter Beweis stellen. Es will auf keinen Fall, dass in Hameln das Ampelmännchen durch den berühmten Rattenfänger ersetzt wird, der im 13. Jahrhundert mit seiner Pfeife erst Ratten, dann Kinder aus der Stadt gelockt haben soll. So wollte es ein einstimmiger Stadtratsbeschluss zu Tourismuszwecken, nur für eine einzige Ampel. Geht gar nicht, mauerten die staubtrockenen Beamten in der Landeshauptstadt. Gesetzlich seien nun mal bundesweit einheitliche Verkehrszeichen vorgesehen. Ganz humorlos ging sogleich Hamelns Stadtrat auf die Knie und will nach der Sommerpause seinen Rattenfänger-Ampel-Beschluss wieder rückgängig machen. So gesetzestreu ist man allerdings nicht überall in Deutschland, jedenfalls wenn es um Ampeln geht. So hat Worms ein Luther-Symbol als Ampelmännchen, Trier Karl Marx, Mainz die Mainzelmännchen und Augsburg den Kasper aus der Puppenkiste.

Aber wozu eigentlich der ganze Stress? Brauchen wir überhaupt Ampeln, ob als Rattenfänger, Kasper oder Ampel-Mädchen? Viele haben es bemerkt: Fällt mal eine Ampel aus, läuft der Verkehr sogleich flüssiger. Autofahrer konzentrieren sich mehr und rasen nicht bei dunkelgelb über die Kreuzung. Daraus hat das polnische Posen längst seine Schlüsse gezogen und im Zentrum die Ampeln ausgeschaltet. Mit guten Erfahrungen. Vielleicht sollte man Ampeln künftig nur noch politisch gebrauchen, für Rot-Gelb-Grün-Koalitionen. Dann braucht man auch über den Humor von Niedersachsen nicht mehr zu reden. Hans Krump

Aus Politik und Zeitgeschichte

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