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Helmut Stoltenberg
Chronik

7./8.11.1918 In München erklärt Kurt Eisner (USPD) den bayerischen König Ludwig III. und die Dynastie Wittelsbach für abgesetzt und ruft den Freistaat Bayern aus. Im Landtag konstituiert sich ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat. Eisner wird bayerischer Ministerpräsident und Außenminister.

9.11. Reichskanzler Max von Baden gibt eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. bekannt und übergibt die Kanzlerschaft an den MSPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann ruft vom Reichstagsgebäude aus die "deutsche Republik" aus, der Linkssozialist Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss aus die "Freie Sozialistische Republik Deutschland".

9./10.11. Wilhelm II. reist vom belgischen Spa ins Exil in die Niederlande. Bedingung für seinen dortigen Aufenthalt ist der Verzicht auf jede politische Betätigung.

10.11. Der "Rat der Volksbeauftragten", dem drei MSPD- und drei USPD-Mitglieder angehören, übernimmt unter dem Vorsitz von Friedrich Ebert (MSPD) und Hugo Haase (USPD) die Regierungsgeschäfte.

Die Berliner Betriebe und Garnisonen wählen Arbeiter- und Soldatenräte. Auf einer Versammlung im Zirkus Busch wählen diese Räte einen "Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates Groß-Berlin", der bis zur Zusammenkunft eines ersten Reichsrätekongresses im Dezember den Rat der Volksbeauftragten kontrollieren soll.

Generalleutnant Groener versichert Ebert in einem Telefonat, dass sich das Heer der neuen Regierung unterstellt. Im Gegenzug sichert Ebert zu, dass das Offizierskorps weiterhin die Befehlsgewalt über die Truppen inne hat ("Ebert-Groener-Pakt").

11.11. In einem Eisenbahnwaggon bei der nordfranzösischen Stadt Compiègne unterzeichnet der Reichstagsabgeordnete und Staatssekretär Matthias Erzberger (Zentrum) für Deutschland den Waffenstillstandsvertrag.

In Berlin kommt es zur Neugründung des linksradikalen Spartakusbundes um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Kaiser Karl I. von Österreich verzichtet auf die Ausübung der Regierungsgeschäfte.

12.11. Der Rat der Volksbeauftragten hebt den Belagerungszustand auf, schafft die Zensur ab und erlässt eine Amnestie für politische Straftaten. Ferner gilt fortan das gleiche, geheime, direkte und allgemeine Wahlrecht für alle Frauen und Männer ab 20 Jahren; für den Jahreswechsel wird der Achtstundentag angekündigt.

Im Parlament in Wien wird durch die Provisorische Nationalversammlung die Republik "Deutschösterreich" proklamiert; ein Versuch der kommunistischen "Roten Garde", das Parlament zu besetzen, scheitert.

15.11. Unterzeichnung des Stinnes-Legien-Abkommens, mit dem die deutschen Unternehmer die Gewerkschaften als gleichberechtigte Tarifpartner anerkennen.

16.11. Ausrufung der ungarischen Republik.

28.11. Wilhelm II. unterzeichnet die Abdankungsurkunde.

6.12. Soldaten eines Infanterieregiments versuchen erfolglos, den Berliner Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte zu verhaften, andere rufen Ebert vor der Reichskanzlei zum Präsidenten aus. Ebert reagiert ausweichend. Gardefüsiliere schießen in der Stadt auf demonstrierende Soldaten und Matrosen. 16 Menschen kommen ums Leben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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