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BAYERN
Alexander Heinrich
Die Dichter waren dran

Die Münchener Räterepublik währte nur kurz und endete mit einem Blutbad

Ein Revolutionär sei er gewesen, mit dem Staat zu machen war, so hat es der Publizist Sebastian Haffner einmal beschrieben. Doch Kurt Eisner, "ein Bilderbuch-Intellektueller mit Bart und Brille und Boheme-Allüren" blieb nur wenige Wochen Regisseur und Hauptdarsteller einer "Ein-Mann-Schau" in Bayern, das sich 1919 zu einem Zentrum des Rätegeschehens entwickelt hatte.

"Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt! Bayern ist fortan ein Freistaat!" hatte Eisner, einst Redakteur des "Vorwärts" und Mitglied der USPD, am 8. November im Münchner Mathäserbräu gerufen und nach der Wahl durch Soldaten- und Arbeiterräte als Bayerns Ministerpräsident regiert. Kein Schuss war gefallen bei dieser Revolution, doch nach der Ermordung Eisners durch einen Rechtsradikalen im Februar 1919 geriet der Freistaat in einen Strudel der Gewalt. Revolutionäre wie Ernst Niekisch riefen im April 1919 die bayerische Räterepublik aus und erklärten die nach Wahlen gerade erst gebildete SPD-geführte Regierung für abgesetzt. In der Räteführung gaben pazifistisch gesinnte Intellektuelle wie Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer den Ton an, nach einem Putschversuch und permanenten Angriffen durch Freikorpsverbände übernahmen KPD-Mitglieder wie Eugen Leviné und Max Levien das Kommando: Beide stammten aus Russland, von rechts wurde die Angst vor einer "russischen Bolschewisierung" geschürt.

Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) beschloss Mitte April den Einsatz der Reichwehr, um dem "Karneval des Wahnsinns" ein Ende zu setzen. Am 2. Mai 1919 unterlag die Räterepublik und ihre "rote Armee" der Übermacht der "weißen Armee" von 35.000 Reichswehr- und Freikorpssoldaten. Teile dieser Freikorps übten in München eine einwöchige Terrorherrschaft aus, ihrem Einmarsch fielen 335 Zivilisten zum Opfer. Führenden Protagonisten der Räterepublik und Hunderte Sympathisanten oder vermeintliche Sympathisanten wurden von Freikorpsverbänden ermordet, von Standgerichten zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Die bürgerliche Rechtsregierung unter Gustav von Kahr machte Bayern dann ab 1920 zu einer "Ordnungszelle", der Freistaat wurde zu einem Rückzugsort für straffällig gewordene Rechtsextremisten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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