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Matthias
Claus Peter Kosfeld


Matthias Erzberger

Der Finanzexperte der katholischen Deutschen Zentrumspartei, Matthias Erzberger (1875-1921), erahnte seinen frühen gewaltsamen Tod. "Die Kugel, die mich treffen soll, ist schon gegossen", merkte der Katholik an, kurz bevor er von Aktivisten der nationalistischen und rechtsterroristischen "Organisation Consul" erschossen wurde. Der hochbegabte und aus einfachen Verhältnissen in Württemberg stammende Erzberger wirkte nach einer Ausbildung zum Volksschullehrer von 1903 bis 1918 als Abgeordneter im Reichstag. Im Herbst 1918 wurde er als Staatssekretär in die Regierung Prinz Max von Badens berufen und leitete die Waffenstillstandskommission, die zum Ende des Ersten Weltkriegs gebildet wurde. Es war Erzberger, der am 11. November 1918 in Compiègne bei Paris das Waffenstillstandsabkommen unterschrieb, das für das Deutsche Reich harte Bedingungen vorsah: Rückzug aus den besetzten Gebieten, die Abtretung der linksrheinischen Region und die Auslieferung von Waffen. Dieses Abkommen sowie der 1919 gebilligte Versailler Vertrag wurden von vielen Deutschen als Erniedrigung wahrgenommen. Erzberger wurde Anfang 1919 in das Kabinett von Philipp Scheidemann (SPD) berufen und war für Waffenstillstandsfragen verantwortlich. Er akzeptierte den Vertrag von Versailles. Später erwarb er sich als Finanzminister mit einer bis heute wegweisenden Steuer- und Finanzreform große Anerkennung. 1921 wurde Erzberger auf einem Spaziergang erschossen. pk

Aus Politik und Zeitgeschichte

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