Inhalt

Helmut Stoltenberg
Chronik

19.1.1919 Wahl der Verfassunggebenden Nationalversammlung. Erstmals haben auch Frauen das volle aktive und passive Wahlrecht. Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die das 20. Lebensjahr vollendet haben - knapp 37 Millionen; die Wahlbeteiligung liegt bei 83 Prozent.

Mit 37,9 Prozent geht die MSPD als stärkste Kraft aus der Wahl hervor und bildet mit dem Zentrum, das auf 19,7 Prozent kommt, und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP, 18,6 Prozent) eine Koalition, die über eine Dreiviertel-Mehrheit (76,2 Prozent) verfügt. Die USPD erreicht 7,6 Prozent der Stimmen; die KPD nahm nicht an der Wahl teil.

6.2. Die Nationalversammlung mit ihren 423 Abgeordneten kommt im Deutschen Nationaltheater im politisch ruhigen Weimar zu ihrer Konstituierenden Sitzung zusammen.

10.2. Die Abgeordneten verabschieden das "Gesetz über die vorläufige Reichsgewalt", das die Regierungsgewalt bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung regelt. Im Paragraf 1 heißt es: "Die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung hat die Aufgabe, die künftige Reichsverfassung sowie auch sonstige dringende Reichsgesetze zu beschließen."

11.2. Die Nationalversammlung wählt Friedrich Ebert mit 73,1 Prozent der Stimmen zum Reichspräsidenten.

13.2. Philipp Scheidemann wird Reichsministerpräsident; er tritt am 20. Juni zurück, um nicht den Versailler Friedensvertrag unterzeichnen zu müssen. Hugo Preuß (DDP) übernimmt das Amt des Reichsinnenministers. Reichswehrminister ist Gustav Noske. Matthias Erzberger bleibt als Minister ohne Geschäftsbereich weiterhin mit den Friedensverhandlungen betraut.

16.2. In Österreich findet die Wahl der Konstituierenden Nationalversammlung statt, die unter anderem eine parlamentarische Bundesverfassung beschließen wird. Auch hier können erstmals Frauen das volle Wahlrecht ausüben.

21.2. Kurt Eisner wird in München auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des neuen Landtages, auf der er nach der verheerenden Wahlniederlage der USPD vom 12. Januar seinen Rücktritt als bayerischer Ministerpräsident erklären will, von einem nationalistischen Studenten erschossen.

31.7. In Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue Verfassung für das Deutsche Reich.

14.8. Erstmals tritt für Deutschland eine demokratische Verfassung in Kraft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag