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EDITORIAL
Jörg Biallas
Die Zeit ist knapp

Seit jeher fasziniert den Menschen das Meer. Und schon immer hat der Mensch versucht, es zu benutzen: als Urlaubsziel, als Transportweg, als Nahrungslieferant, aber auch als Mülldeponie und als Schlachtfeld. Trotz ständig wachsender Ansprüche in allen Bereichen ist es dem Menschen nicht gelungen, das Meer vollends zu unterwerfen. Die Natur wehrt sich. Aber die Kräfte lassen allmählich nach.

Deshalb wird es höchste Zeit, die Weltmeere zu schützen. Was Jahrhunderte niemanden scherte, ist längst Gewissheit: Wir brauchen die Ozeane als möglichst intakte ökologische Systeme.

Statt aber endlich die internationalen Bemühungen zum Meeresschutz spürbar zu verstärken, wird weiter hemmungslos Abfall entsorgt. Riesige Plastikflächen schwimmen ziellos umher, wachsen beständig und töten Tiere und Pflanzen. Unmengen Müll, Chemikalien und andere flüssige Stoffe werden illegal oder sogar ganz legal in die Meere gekippt. Hauptsache weg damit, unter den Wellen stört der Dreck ja niemanden.

Unterdessen steigt der Meeresspiegel beständig. Nur wer nicht sehen will, kann die Folgen der Erderwärmung leugnen. Inseln drohen zu verschwinden; an der deutschen Nordseeküste müssen die Deiche erhöht und ausgebaut werden, um absehbare Überflutungen des Festlandes zu verhindern. Kurzum: Die Situation ist ernst.

Benötigt werden neue Konzepte in nahezu jeder Hinsicht:

Wie lässt sich die Handelsschifffahrt ökologischer gestalten?

Welche Anreize können dazu führen, dass endlich auch in unterentwickelten Nationen der Umweltschutz einen höheren Stellenwert erlangt?

Braucht der Fischfang international effektivere Spielregeln, um bedrohte Arten vor dem Aussterben zu bewahren?

Schließlich: Was muss passieren, damit alle begreifen, dass gesunde Meere für das Leben kommender Generationen von großer Bedeutung sind?

Daraus erwachsen politische Herausforderungen, die nur im internationalen Zusammenspiel zu bewältigen sind. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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