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Vor 30 Jahren...
Benjamin Stahl
Ein Pfeil durchs Herz

28.8.1988: Flugtag-Katastrophe von Ramstein Pilot Ivo Nurarelli war vier Sekunden zu früh. Nachdem seine neun Kollegen der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" mit ihren Kondensstreifen ein Herz in den Himmel gezeichnet hatten, sollte Nurarelli wie ein Pfeil durch selbiges fliegen - eine Flugfigur mit dem Namen "Durchstoßenes Herz". Doch Nurarelli erfasste zwei andere Jets, die nahe des Rollfeldes abstürzten; seine Maschine schlug vor der Zuschauerabsperrung auf und raste in die Menschenmenge. 70 Menschen - darunter die drei Piloten - starben, Hunderte wurden verletzt. Die Flugtag-Katastrophe auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein schockierte Deutschland und löste politische Diskussionen aus. Hat die Bundesrepublik ein Mitspracherecht bei Flugveranstaltungen auf den Stützpunkten alliierter Streitkräfte? Waren die Rettungsmaßnahmen schlecht koordiniert? Und welche Verantwortung trug Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU)? Der Bundestag setzte einen Untersuchungsausschuss ein, der sich auch nach 30 Sitzungen auf kein gemeinsames Ergebnis einigen konnte. Die schwarz-gelbe Koalition erklärte: "Der Flugunfall war unabwendbar." Die Genehmigung der Veranstaltung sei rechtens gewesen, "Vorbereitung und Durchführung (...) in keiner Beziehung zu beanstanden" und der Rettungseinsatz sowie die "ergriffenen Maßnahmen" des Verteidigungsministers angemessen. Die Katastrophe war "nicht unabwendbar", meinte dagegen die SPD. Scholz habe sich zudem "als für die Bewältigung der Katastrophe unfähig erwiesen". Das Ergebnis sei "fehlerhaft".Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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