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Ortstermin: Geldstelle der Deutschen Bundesbank Berlin
Lisa Brüßler
Hausbank für den Bund

Wer seine alten D-Mark-Münzen und -Scheine oder beschädigte Banknoten in Euro tauschen will, muss hier erstmal eine Nummer ziehen. Ein Ampelsystem regelt an welchen der speziell gesicherten Schalter man darf. Hin und wieder hört man das Klimpern der Münzen, die aus den mitgebrachten Behältern fallen. In der Geldstelle der Berliner Filiale der Deutschen Bundesbank ist vormittags viel Betrieb. "Der Klassiker ist, dass bei Haushaltsauflösungen oder in zufällig wiedergefundenen Umschlägen ein paar hundert Mark auftauchen", erklärt Andreas Klose, Leiter der Filiale.

Zeitlich unbegrenzt und kostenlos können diese dann zum Kurs von 1,95 in Euro getauscht werden. Schätzungsweise 12,5 Milliarden D-Mark sind noch im Umlauf. "In unserer Filiale tauschen wir einen mittleren einstelligen Millionenbetrag im Jahr - bundesweit sind es 66 Millionen", sagt Klose. Oft kämen Touristen aus dem Ausland zum Tauschen, aber auch Geldhändler, die mit einer ganzen Autoladung vorfahren, so Klose. Mehr als 50 Menschen warten an diesem Morgen darauf, an einer der vier Kassen bedient zu werden. Wenn besonders viel Andrang ist, öffnet auch der fünfte Schalter. Das ist immer dann der Fall, wenn es eine neue Sondermünze gibt.

"Seit 2017 kommt jedes Jahr eine Fünf-Euro-Sondermünze aus der Klimazonen-Reihe heraus", sagt Klose. Bald kommen auch noch Zehn-Euro-Münzen dazu. Doch die Auflage ist limitiert: Pro Tag darf nur eine Münze je Sammler ausgegeben werden. "Dann stehen die Menschen schon ab 7 Uhr morgens in über 500 Meter langen Schlangen an", erzählt Klose. Und das ist nicht nur am ersten Tag so, sondern oft wochenlang. Jedes Mal sei das ein erheblicher personeller und logistischer Aufwand, so der Filialleiter.

Die Filiale ist dafür zuständig, dass der Zahlungsverkehr in Berlin und Brandenburg reibungslos abläuft. "Quasi ein Großhändler für Werttransportunternehmen", sagt Klose. Der Tresorraum sehe daher auch eher aus wie eine Spedition als bei Dagobert Duck. Als größte Bargeldstelle ist die Filiale auch für die Sicherstellung der Versorgung der Bankautomaten in den beiden Bundesländern verantwortlich. Zudem ist sie auch die Hausbank für den Bund: "Wenn man einen Strafzettel bezahlen muss, dann läuft das über uns", erklärt Albrecht Sommer vom Stab des Präsidenten der Berliner Verwaltung. Aber auch Konten für Ministerien und öffentliche Verwaltungen gehören dazu: "Manchmal ist Eile geboten, zum Beispiel bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Da haben wir gewisse Mengen Bargeld im Tresor und können anders reagieren als normale Banken", sagt er.

Auch die ökonomische Bildung gehört zum Aufgabenspektrum der Filiale: "Wir gehen an Schulen und Universitäten und geben Lehrerfortbildungen, um die Geldpolitik allgemein und Aufgaben und Ziele der Bundesbank im Eurosystem näher zu bringen", berichtet Sommer. Auch mit Berufsschulen und dem Einzelhandel arbeite man regelmäßig zusammen, um darin zu schulen, Falschgeld zu erkennen und es aus dem Verkehr zu ziehen. Neben der Mitgestaltung der Geldpolitik im EZB-Rat und der Bankenaufsicht sei mit der Finanzkrise zudem noch ein weiteres Aufgabenfeld hinzu gekommen: "Seitdem werden nicht nur die einzelnen Bankinstitute, sondern das Finanzsystem insgesamt überprüft", sagt Sommer - systemgefährdende Tendenzen können so früher entdeckt und Kettenreaktionen verhindert werden.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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