Inhalt

Vor 45 Jahren...
Benjamin Stahl
Bekenntnis zum Frieden

26.9.1973: Erste Rede eines Kanzlers vor der UNO "Meine Kollegen und Freunde, ich spreche zu Ihnen als Deutscher und als Europäer." Es waren die ersten Worte, die ein deutscher Bundeskanzler vor der UNO-Vollversammlung in New York sprach. In seiner Rede am 26. September 1973 stellte Willy Brandt (SPD) ein Bekenntnis zum Frieden in den Mittelpunkt: "Als Bundesrepublik Deutschland werden wir auf einen Zustand des Friedens in Europa hinwirken, in dem auch das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangen kann." Die deutsche Teilung spielte in der Rede nur am Rande eine Rolle - obwohl erst wenige Tage zuvor beide deutsche Staaten in die Weltorganisation aufgenommen worden waren, was nicht geräuschlos vonstatten ging: Voraussetzung dafür war der Grundlagenvertrag zwischen Bonn und Ostberlin, in dem Kritiker eine Gefahr für die Wiedervereinigung sahen. "Wir sind nicht hierhergekommen, um die Vereinten Nationen als Klagemauer für die deutschen Probleme zu betrachten", betonte Brandt. Vielmehr wolle man "auf der Grundlage unserer Überzeugungen und im Rahmen unserer Möglichkeiten weltpolitische Mitverantwortung" übernehmen. Allerdings erinnerte Brandt auch an "die Teilung Europas, die sich auf deutschem Boden besonders hart ausprägt" und betonte: "Mein Volk lebt in zwei Staaten und hört doch nicht auf, sich als eine Nation zu verstehen." Nach dieser Rede sprach erst 2003 mit Gerhard Schröder (SPD) wieder ein Bundeskanzler vor der UNO: Die deutsche und europäische Teilung gehörten da der Vergangenheit an.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag