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Ortstermin: tag der Ein- und Ausblicke im Bundestag
Lisa Brüßler
Das Vertrauen in die Demokratie stärken

Im Foyer des Berliner Paul-Löbe-Hauses, dem Glasbau direkt neben dem Reichstagsgebäude, hat sich eine lange Schlange gebildet. Sie wartet darauf, die kleinsten Arbeiter des Bundestages näher zu begutachten: Über 150.000 Honigbienen wohnen hier im kleinen Innenhof-Garten, erzählt der Bundestagsimker Daniel Holstein, der sein Hobby 2016 in den Bundestag gebracht hat. Seitdem gibt es die Bundestagsbienen, die sich von Pollen und Nektar, "nicht von Marmeladenbrötchen" ernähren, erklärt Holstein. Schon einige Male hat er das heute den Besuchern erzählt, die für den 14. Tag der Ein- und Ausblicke in den Bundestag gekommen waren. Gerade ist Abend-Rushhour in den Bienenstöcken: Dutzende krabbeln außen entlang, unbeirrt von den Besuchern. Und die haben viele Fragen: Wie weit sich die Bienen von ihrem Stock wegbewegen etwa. "Drei bis vier Kilometer reicht ihr Radius", sagt Holstein. "Und wo finden sie ihre Nahrung?", fragt der sechsjährige Timo aus Potsdam. "Der nahgelegene Tiergarten bietet sogar bessere Bedingungen als Flächen auf dem Land, die oftmals mit Pestiziden behandelt sind", erklärt Holstein. Denn auch darum geht es: Die Bundestagsbienen sollen auf die schwindende Anzahl von Insekten in Deutschland hinweisen.

Den ganzen Tag lang waren solche besonderen Einblicke möglich. Bei der Eröffnung vor dem Plenarsaal am Morgen sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU): "Dass Sie heute hier sind, ist eine Ermutigung für unsere Arbeit." Gleichzeitig trage der Tag auch dazu bei, das Vertrauen der Bürger in die Demokratie zu stärken. Zu entdecken gab es einiges: Ausschüsse und Bundestagsdienste stellten ihre Arbeit vor und unterhielten die rund 22.000 Besucher mit Führungen, Bürgergesprächen und Podiumsdiskussionen. Im Reichstag stellten sich die Fraktionen vor und auf der Besuchertribüne berichteten die Bundestagsvizepräsidenten von ihren Aufgaben. Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus konnten die jüngsten Besucher auf Postkarten und mit Holzarbeiten ein künstlerisches Zeichen im Herzen der Demokratie hinterlassen.

Besonders viel Andrang herrschte beim Wissenschaftlichen Dienst: An einem Wissensrad konnten die Besucher ihr Glück versuchen: "Was bedeutet die Blaue Karte EU?", kann Klaus Schmidt aus Berlin sogar ohne Antwortvorgaben beantworten - und gewinnt einen Bildband. Im folgenden Bürgergespräch erläuterte Adrian Schwarz, Referent für wirtschaftsrechtliche Fragen, die Aufgaben des Wissenschaftlichen Dienstes. "Wir sind Teil der internen Politikberatung und Infodienstleister des Parlamentes." Dass die Abgeordneten einer Informationsflut der unterschiedlichsten Akteure ausgesetzt sind, ist den meisten Besuchern nicht klar: "Stellen Sie sich vor, Sie sind neu gewählt und haben keinen Bezug zu ihrem Ausschuss. Dann haben Sie ein hohes Infobedürfnis", so Schwarz. Etwa 60 wissenschaftliche Mitarbeiter beantworten die unterschiedlichsten Fragen der Abgeordneten - immerhin zwischen 4.000 bis 5.000 Aufträge pro Jahr. Mal in epischer Langform, mal als Kurzzusammenfassung, je nach Wissensstand des Abgeordneten. "Oberstes Gebot in unserer Existenz ist neben der Verlässlichkeit die Neutralität der Informationen. Die politische Bewertung liegt dann bei den Abgeordneten", stellt Schwarz klar. Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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