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Gastkommentare - Pro
Melanie Reinsch, DuMont-Hauptstadtredaktion
Gut angelegt

Mehr Demokratieförderung?

D ie Bilder, die in diesen Tagen um die Welt gehen, sind kaum erträglich. Sie zeigen Hetze, offenen Ausländerhass, Rechtsradikalismus, Rassismus und Gewalt. Es sind Bilder, die Angst und ohnmächtig machen. Auf Demos werden Parolen skandiert, die das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Haltung zeigen, aufstehen und laut und viele werden - das ist wichtig in diesen Zeiten, um rechtem Hass etwas entgegen zu setzen. Doch das allein reicht nicht.

Viel früher muss angesetzt, müssen Menschen erreicht werden, damit sie gar nicht erst abdriften und unerreichbar werden. Das muss in der Jugend geschehen und dafür muss Geld in die Hand genommen werden. Prävention klingt vor dem Hintergrund der Ausschreitungen in Chemnitz nach grauer Theorie. Doch ist sie genau das Gegenteil.

Vor allem in abgelegenen Regionen Deutschlands braucht es Projekte, die Kinder und Jugendlichen Alternativen und Orientierung bieten, damit sie selbstbewusst genug sind, sich nicht in rechtsradikalen Strukturen und anderen demokratiefeindlichen Gruppierungen zu verlieren. Es kann gar nicht genug investiert werden.

Dass die Finanzierung des Programms "Demokratie leben!" auch bis 2019 gesichert ist, ist daher begrüßenswert. Demokratie muss dort gefördert werden, wo sie in Gefahr ist.

Oft sind es kleine Projekte vor Ort, die auf Geld angewiesen sind und erst durch Engagement Ehrenamtlicher möglich werden. Auch wissen sie am besten, welche Projekte sinnvoll sind. Politische Bildungsarbeit ist kein Frontalunterricht, sondern funktioniert über Erleben - vom kostenlosen Sportverein bis zum gemeinsamen Mittagessen. So lassen sich Ressentiments im Keim ersticken.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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