Inhalt

Gastkommentare - Contra
Hagen Strauß, "Saarbrücker Zeitung"
Zu abstrakt

Mehr Demokratieförderung?

M ehr Demokratieförderung - wer würde das nicht unterschreiben in Zeiten, in denen die Ränder immer stärker werden und vor allem das rechte Lager mobil macht? Doch die Forderung ist zu abstrakt. Sie suggeriert, allein mit Thesen, Theorien und Erinnerungskultur das Denken der Menschen verändern oder ihre Leidenschaft neu entfachen zu können. So einfach ist die Welt der Demokratie leider nicht.

Demokratie lebt immer noch vom Handeln. Und zwar zum großen Teil vom konkreten Handeln der Politik. Sie muss Probleme beseitigen, um das Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen zu stärken. Steigende Mieten, schlechte Pflege, wachsende Unsicherheiten im Land - zu lange ist das ignoriert worden, was den Menschen tatsächlich unter den Nägeln brennt. Weil zu wenig hingehört wurde, entstand Verdruss. In Kombination mit Entscheidungen, die extrem strittig gewesen sind, scheint sich in einem Teil der Bevölkerung nun eine anti-demokratische Stimmung breit gemacht zu haben. Der kann man nicht per Gesetz zur Demokratieförderung begegnen. So erreicht man die Köpfe nicht. Sonden nur durch Dialog und Taten.

120 Millionen Euro gibt das Bundesfamilienministerium bereits dieses Jahr für die Förderung von Demokratie, Vielfalt und Extremismus-Prävention aus. Gut und richtig. Aber Geld allein schafft keine Überzeugungen. Auch nicht noch mehr Geld. Und Politik kann auch nicht alles richten. Dass Demokratie davon lebt, mitzumachen und sich einzubringen, muss jeder erkennen. Und dass sie die freiheitlichste Ordnung ist, die es gibt, gehört auf jeden Lehrplan. Wer sie fördern und festigen will, muss früh anfangen. Und zwar in den Schulen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag