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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Die symbolische Enthauptung der Kandidatin Hillary Clinton alias Medusa während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 blieb folgenlos. Dennoch werden die Bilder der Geköpften im kollektiven Gedächtnis der amerikanischen Nation haften bleiben. So wie wir es aus den Schulbüchern kennen: Caravaggios Bild zeigt Perseus, wie er Medusas bluttriefenden Kopf hin- und herschwenkt. Abgesehen von Hillary Clinton wurden auch Angela Merkel und Theresa May als Medusen dargestellt. Diesen Rückgriff auf die griechische Mythologie wertet die renommierte britische Althistorikerin Mary Beard als Beleg dafür, dass "der Ausschluss der Frauen von der Macht kulturell sehr tief verankert ist". Die traditionellen Methoden der Exklusion der Frauen seien immer noch wirksam.

Beard nimmt die Leser mit in die Welt der Griechen und Römer, um zu beweisen, dass die abendländische Kultur seit Jahrtausenden darin geübt sei, "Frauen den Mund zu verbieten". Ein genauer Blick auf die Ursprünge der abendländischen Zivilisation lasse besser verstehen, was wir über die vermeintliche Rolle der Frau in unserer Gesellschaft verinnerlicht haben. Dort lägen die "Ursprünge der westlichen Frauenfeindlichkeit". Bereits in Homers "Odyssee" könnten die Europäer nachlesen, dass Telemachos seiner Mutter Penelope den Mund verbot, nachdem sie es gewagt hatte, in der Öffentlichkeit die Stimme zu erheben. "Eine Zurechtweisung, die sich im 21. Jahrhundert noch immer allzu häufig wiederholt", betont Beard. Viel Trost hält die Autorin für die Frauen nicht bereit: Da es sich um "festverankerte kulturelle Strukturen" handle, die den Ausschluss der Frauen von der Macht rechtfertigen, dürfte der graduelle Wandel noch sehr lange dauern. Daher ruft sie in ihrem Manifest dazu auf, intensiver über das Wesen der Macht nachzudenken. "Wenn Frauen nicht innerhalb der Machtstrukturen wahrgenommen werden, müsste dann nicht statt der Frauen die Macht neu definiert werden?" Ziel müsse es sein, den Begriff von Macht "neu zu konfigurieren".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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