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Ortstermin: Zuwachs für Die galerie im Bundestag
Lisa Brüßler
Abbilder ihrer Zeit

Die zehn Porträts unterschiedlichster Stile, Formate und Größen, mal mit moderner Bildsprache, mal eher konservativ, mal mit opulenterem oder schlichtem Rahmen sind so unterschiedlich wie es die Amtsträger selbst sind. Auch zwei Frauen zeigt die Galerie der ehemaligen Bundestagspräsidenten in der Westhalle des Berliner Paul-Löbe-Hauses, in die vergangene Woche ein elftes Ölgemälde, das Porträt des früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD), aufgenommen wurde.

In Anwesenheit von Thierse und des Künstlers, Johannes Heisig, sagte der amtierende Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Einweihung des Gemäldes: "Es passt gut, dass das Porträt im Paul-Löbe-Haus hängt, denn mit ihm verbindet Herrn Thierse viel: Sie sind beide gebürtige Schlesier, Schriftsetzer und Sozialdemokraten und waren Präsidenten gesamtdeutscher Parlamente." Schäuble betonte, dass Thierse sich in seiner Amtszeit und darüber hinaus immer für eine differenzierte Sicht auf Ostdeutschland und seine Kunst eingesetzt habe.

"Im Reichstagsgebäude gab es keinen Platz mehr für die Galerie, weswegen sich der Kunstbeirat 2017 entschlossen hat, sie im Paul-Löbe-Haus zu installieren - parallel zur Kanzler-Galerie im gegenüberliegenden Bundeskanzleramt", erzählt Kristina Volke, die die Galerie im Referat Kunst im Bundestag betreut. An alle ehemaligen Inhaber des zweithöchsten Staatsamtes in der Bundesrepublik wird dort mit einem gemalten Porträt erinnert. "Die Mehrzahl der Porträts sind nach Ende der Präsidentschaft des jeweiligen Bundestagspräsidenten entstanden, manche auch erst posthum", erklärt Volke. Insgesamt sei aber nur wenig über die Entstehungsgeschichte der Porträts aus Bonner Zeiten bekannt: "Die meisten Bilder wurden ab 1954 gelagert, einzeln ausgestellt oder auch ausgeliehen, aber ich konnte nicht herausfinden, ob der damalige Präsident den Künstler eventuell selbst aussuchen konnte", bedauert sie.

Die Bundestagspräsidenten des vereinigten Deutschlands haben dieses Recht: Rita Süssmuth (CDU), Bundestagspräsidentin von 1988 bis 1998, entschied sich für den Maler und Bildhauer Lutz Friedel. Nun folgt Heisigs Porträt von Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident von 1998 bis 2005, der den Künstler selbst ausgewählt hatte und ihn im Sommer in dessen Atelier in der Ostprignitz getroffen hatte. "Wir hatten drei ganztägige Sitzungen und viele gemeinsame Gesprächsthemen während der Entstehung des Porträts", sagte Thierse. Er sei, was das Ergebnis angehe, natürlich befangen, aber er halte Heisig "für einen Maler von großer Charakterisierungskunst und künstlerischer Raffinesse". Vor dem Hintergrund, dass die Präsidenten schon länger nicht mehr im Amt sind, seien Form und Sprache des Porträts eine Herausforderung für die Maler, ordnete Kunstexpertin Volke ein. Denn die älteren Porträts der Galerie zeigen ihre Präsidenten überwiegend während ihrer Amtszeit. So ist die Galerie auch immer im Lichte der Zeit der Entstehung zu betrachten und damit Erinnerung und Genealogie zugleich.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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