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KULTUR
Alexander Weinlein
Kein Allheilmittel

Experten warnen vor überzogenen Erwartungen an kostenfreien Museumseintritt

Ein prinzipiell kostenfreier Eintritt in Museen führt nicht automatisch zu dauerhaft höheren Besucherzahlen. Dies war die einhellige Aussage von Sachverständigen in einem Fachgespräch des Kulturausschusses in der vergangenen Woche. Vor allem warnten die Experten vor der Erwartung, mit einem kostenfreien Zugang könnten in einem größeren Umfang Menschen erreicht werden, die kostenpflichtige Kultureinrichtungen nicht nutzen.

Der Kulturjournalist Peter Grabowski verwies darauf, dass etwa 50 Prozent der Deutschen so gut wie nie ein Museum besuchen. Die Bereitschaft für den Besuch von Kultureinrichtungen steige zwar mit dem Haushaltseinkommen und dem Bildungsgrad, bei der Entscheidung spiele der Preis allerdings eine sekundäre Rolle. Primär würden die Menschen nach dem persönlichen Mehrwert eines solchen Besuchs fragen. Unterrepräsentiert unter Museumsbesuchern seien vor allem Menschen mit Behinderung, Familien und Migranten.

Der Unternehmensberater Martin Dumbs und der ehemalige Geschäftsführende Direktor der Kulturbetriebe Dortmund, führten unter Berufung auf Erfahrungen in England und Dortmund aus, dass sich durch freie Eintrittspreise zwar oftmals die Besucherzahlen kurz- und mittelfristig steigern ließen, aber langfristig wieder auf das Ursprungsniveau zurückgingen. Zu beobachten sei aber, dass Museumsbesucher den freien Eintritt für Mehrfachbesuche nutzen. Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Mona Guichard, Kulturattachée an der französischen Botschaft in Berlin.

Kinder und Jugendliche Claus Rokahr, Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, sprach sich dezidiert gegen einen prinzipiell freien Eintritt aus, plädierte allerdings für sozial gestaffelte Eintrittpreise und den kostenfreien Zugang für Kinder und Jugendliche aus. Auch der Kaufmännische Geschäftsführer der Kunsthalle Karlsruhe, Philipp Stanehl, sprach sich für eine differenzierte Betrachtung von Kultureinrichtungen und den möglichen Auswirkungen des freien Eintritts aus. Dies bestätigte Janina Benduski, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste. In der freien Theaterszene habe man durch verschiedene Modelle, zum Beispiel mit frei wählbaren oder gestaffelten Eintrittspreisen neue Publikumsschichten erreichen können, für die ein Theaterbesuch vorher nicht erschwinglich gewesen sei. Unter dem Strich habe das den Theatern sogar höhere Erlöse eingebracht.

Markus Walz, Professor für theoretische und historische Museologie an der Universität Leipzig, erwies darauf, dass schon heute viele Museen einen freien Eintritt bieten. Umgekehrt könnten sich aber kleine und nicht von der öffentlichen Hand finanzierte Museen dies nicht leisten. Zudem müsse man zur Kenntnis nehmen, dass sich ein "habitueller Nicht-Museums-Besucher" auch nicht durch einen freien Eintritt vom Gegenteil überzeugen lasse. Auf diesen Umstand verwies auch die stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Kulturelle Teilhabe sei zwar ein verbrieftes Recht und müsse gefördert werden. Umgekehrt würden auch Menschen auf dieses Recht freiwillig verzichten. Zudem spielten nicht nur ökonomische Gründe, sondern auch Bildung und Sozialisation eine große Rolle. Ein freier Eintritt sollte deshalb durch flankierende Maßnahmen in diesen Bereichen ergänzt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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