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Entwicklung
Johanna Metz
Mehr als fünf Kinder pro Frau

Experten fordern mehr Einsatz für Familienplanung in Afrika

Von den 43 Ländern, in denen Frauen durchschnittlich mindestens vier Kinder bekommen, liegen laut dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) 38 in Afrika. In Subsahara-Afrika ist der Schnitt noch höher: Hier bekommen Frauen durchschnittlich 5,1 Kinder. Damit entfällt die Hälfte des bis 2050 weltweit zu erwartenden Bevölkerungswachstums auf diese Region - und das obwohl dort schätzungsweise 21 Prozent der Frauen derzeit überhaupt nicht schwanger werden wollen. Nur nutzen sie keine modernen Verhütungsmethoden oder besitzen keine Verhütungsmittel.

Nach Ansicht von UNFPA-Mitarbeiterin Nadine Krysostan ergibt sich aus diesen Befunden die Notwendigkeit, die Angebote zu Aufklärung und Familienplanung in Subsahara-Afrika deutlich zu erhöhen. Gerade im ländlichen Raum sei der Mangel an Aufklärung und Verhütung hoch, erklärte sie vergangene Woche in einer öffentlichen Anhörung des Entwicklungsausschusses. Für die gesellschaftliche Akzeptanz der Angebote sei jedoch unabdingbar, Jungen und Männer sowie Eltern, Dorfälteste, Stammesführer und Religionsvertreter einzubeziehen.

Auch Dorothee Klüppel vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor betonte, es gehe nicht ohne Männer, wenn man die Situation von Frauen verbessern wolle. Darüber hinaus sei der Zugang zu Bildung essentiell: "Je länger die Mädchen in der Schule sind, desto später bekommen sie Kinder. Und sie bekommen weniger."

Appell an Regierung Nach Ansicht von Sonja Birnbaum von Plan International sollte die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen ein Schwerpunktthema der Entwicklungszusammenarbeit bleiben. Unter anderem sollte die Familienplanungsinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch über das Jahr 2019 hinaus fortgeführt und der Fokus auf junge Menschen ausgeweitet werden. Einen ähnlichen Appell richtete Katrin Erlingsen von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) an die Bundesregierung.

Gisela Schneider von Brot für die Welt betonte die Bedeutung der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung von Familienplanungsprogrammen. Lokale Community Workers könnten in ganz besonderer Weise Einfluss auf die Menschen nehmen, weil sie Kultur und Sprache kennen würden. Auch Pastoren, Priester oder Imame seien extrem wichtig, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Auf die Rolle der Gesundheitsversorgung verwies Sabine Baunach von der Kinderrechtsorganisation Save the Children. Nur mit einer qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Basisgesundheitsversorgung könnte die Mütter-, Neugeborenen- und Kindersterblichkeit gesenkt werden.

Frank Strelow von der Bayer-AG - der Konzern unterstützt seit Jahren Familienplanungsprogramme - berichtete, die Zahl der Frauen in Subsahara-Afrika, die Verhütungsmittel benutzten, stiege stetig an. Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, müssten die Budgets für die entsprechenden Programme deutlich erhöht werden. Er sprach von einem "Schneeballeffekt positiver Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region". Wenn die Bevölkerung nicht so stark wachse, verringere sich auch der Druck auf den Ressourcenverbrauch "mit direktem Einfluss auf die Fluchtursachen Klimawandel und Hunger".Johanna Metz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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