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Claus Peter Kosfeld
Nur wenige Frauen in Spitzenjobs des Gesundheitssystems

Grüne fordern verbindliche Quote in Führungspositionen der Krankenkassen und Ärzteverbände

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert verbindliche Vorgaben für die Besetzung von Spitzenfunktionen im Gesundheitswesen. Frauen seien in Führungspositionen der Krankenkassen und ihrer Verbände, den Organisationen der Ärzte- und Zahnärzteschaft sowie weiteren Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen stark unterrepräsentiert, heißt es in einem Antrag (19/4855) der Fraktion, über den der Bundestag in der vergangenen Woche erstmals beraten hat.

Dies stehe im Gegensatz zu dem hohen Frauenanteil bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen insgesamt. Die Abgeordneten fordern nun eine angemessene Repräsentanz in den Verwaltungsräten der gesetzlichen Krankenkassen und den Vertreterversammlungen der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen sowie den Spitzenverbänden der Selbstverwaltungskörperschaften auf Bundesebene.

Verbindliche Quote Für die Vorstände der gesetzlichen Krankenkassen, der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und ihrer Spitzenverbände auf Bundesebene müsse daher eine verbindliche Frauenquote eingeführt werden. Nötig seien auch verbindliche Vorgaben für die Dokumentation der Nominierungs-, Auswahl- und Wahlverfahren zu den entsprechenden Gremien, heißt es in dem Antrag der Grünen weiter. Die Selbstverwaltungskörperschaften müssten dazu verpflichtet werden, eine angemessene Repräsentanz von Frauen in Gremien und Führungspositionen zu fördern.

Nächtliche Aussprache Da die Debatte nachts stattfand, gaben einige Abgeordnete ihre Reden zu Protokoll. Andere Redner beteiligten sich noch an der spätabendlichen Diskussionsrunde. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) argumentierte, mit den wenigen Frauen in Schlüsselpositionen des Gesundheitswesens gehe auch Kompetenz verloren. Die Erfahrung von Frauen komme in Entscheidungsgremien kaum vor. Dies könne nicht so bleiben. Es mache einen erheblichen Unterschied, ob Frauen an wichtigen Entscheidungen beteiligt seien. Ohne eine Quote gehe es dabei offensichtlich nicht. Sie betonte: "Das Aufbrechen verkrusteter Rollenbilder bringt allen mehr Freiheit." Die AfD sieht das ganz anders und keinen Grund für eine Quotenregelung. Detlev Spangenberg (AfD) sorgte mit seiner Darstellung der Geschlechtergerechtigkeit für anhaltende Heiterkeit im Saal. Er wertete den Vorstoß der Grünen als "gesellschaftlichen Unsinn" und Beleg dafür, dass Frauen mühsame Arbeit scheuten. Manche Männer trügen "in bewundernswerter Ritterlichkeit diesen Blödsinn" auch noch mit. Nach Ansicht Spangenbergs haben sich Männer in Führungspositionen "hochgearbeitet mit ungeheurer Energie". Mit Blick auf die Frauen fügte er hinzu: "Und wenn Sie das Gleiche tun, würden sie das auch schaffen." Den Frauen gehe es auch nur um Quoten für "angenehme Tätigkeiten". Quotenregelungen im Straßenbau oder bei Fliesenlegern seien nicht angedacht.

Rudolf Henke (CDU) nannte das Ansinnen der Grünen hingegen berechtigt. Allerdings gehe es oft um Wahlämter, wo eine Quote schlecht vorzuschreiben sei. Es wäre aber gut, wenn Frauen von Organisationen ermuntert würden. Henke räumte ein, er wisse nicht, ob eine Quotenregelung in der Unionsfraktion durchzusetzen sei.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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