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Aschot Manutscharjan

"Juden werden uns nicht ersetzen", skandierten im August 2017 Anhänger der White Supremacy- und der White Power-Bewegung in der US-amerikanischen Stadt Charlottesville. Die Rassisten trugen dabei Plakate mit der Anschrift "Juden sind die Kinder Satans". Gemeinsam mit der "National Socialist Movement", der größten Neonazi-Gruppe der USA, verehren sie Adolf Hitler, das "Dritte Reich" und schüren Hass gegen Juden als unpatriotische "Kosmopoliten". Mit der Demo in Charlottesville beginnt die Historikerin Deborah Lipstadt ihr Buch. Bekannt wurde die Stadt durch den Mord eines Rassisten an einem Gegendemonstranten und die anschließende Relativierung des Verbrechens durch Präsident Donald Trump.

Lipstadt erforscht die internationale Holocaustleugnung und wurde deshalb vom bekannten britischen Auschwitz-Leugner, David Irving, verklagt. In dem Prozess (1996-200) wies die Historikern nach, dass und wie Irving und andere Auschwitz-Leugner die historischen Tatsachen manipulieren. Für ihre Forschungen wurde sie im Mai 2018 mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis ausgezeichnet.

Ihr neues Buch enthält ihren Briefwechsel mit Studenten und Kollegen über die aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus. Gehört Kritik an der Politik des Staates Israel in die Rubrik "Meinungsfreiheit" oder handelt es sich um eine Spielart des Antisemitismus? In ihren Briefen räumt Lipstadt diesem Thema breiten Raum ein. Von den USA über Großbritannien und Deutschland bis in den Nahen Osten verfolgt und sammelt sie immer neue Begriffe und Ereignisse, die die Existenz des Antisemitismus bestätigen. So werden in Europa Menschen, die eine Kippa tragen, angegriffen, und in Oxforder Clubs verwenden Studenten den Begriff "Zio", ein Schimpfwort für Juden, welches ansonsten nur Ku-Klux-Klan Mitglieder benutzen. Juden seien so etwas wie "der Gradmesser einer Gesellschaft", stellt Lipstadt fest. "Wer sie angreift, greift alle demokratischen und multikulturellen Werte an".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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