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Digitalisierung
Lisa Brüßler
Arbeitswelt im digitalen Wandel

Bereits im Jahr 2013 sind nach Untersuchungen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 15 Prozent der Arbeitnehmer in Berufen tätig gewesen, in denen 70 Prozent der Tätigkeit durch Maschinen erledigt werden können. "Dieser Wert lag drei Jahre später bereits bei 25 Prozent", sagte Britta Matthes vergangenen Montag in der öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt". Experten des IAB und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) stellten den Stand der beruflichen Aus- und Weiterbildung vor. "Es hat sich gezeigt, dass Berufsbilder nur selten mit technologischen Entwicklungen Schritt halten können", sagte Matthes. Daher müsse der Prozess des Erstellens von Ausbildungsordnungen überdacht und über Umschulungen nachgedacht werden, so Matthes.

Die stärksten Veränderungen in der Arbeitswelt erwarte das IAB in Verkehrs- und Logistikberufen. Bereits 86 Prozent der Tätigkeiten eines Lager- und Transportarbeiters seien 2016 durch technische Möglichkeiten ersetzbar gewesen. Aber: "Nicht Berufe, nur Tätigkeiten sind ersetzbar", stellte Matthes klar.

BIBB-Forschungsdirektor Hubert Ertl berichtete von einem großen Spektrum zwischen weitgehend digitalisierten und wenig digitalen Wirtschaftsbereichen. Dies gelte auch für die unterschiedlichen Ausbildungsberufe: "Beim Mediengestalter sind bereits 80 Prozent der Aufgaben digitalisiert, bei Landwirten sind es nur 30 Prozent", berichtete Ertl. Die Digitalisierung wirke als Beschleuniger des Strukturwandels hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, so Ertl. Allerdings gehe man in Prognosen für das Jahr 2035 davon aus, dass unter Einbezug der demographischen Entwicklung die Beschäftigungsquote beständig bleibe. Die Notwendigkeit von Selbstlernkompetenzen durch die Digitalisierung werde sich allerdings verstärken.

Ute Leber (IAB) berichtete von einem Rückgang der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung, insbesondere im kleinbetrieblichen Segment: "Wir sehen einen starken Anstieg bei der Nichtbesetzungsquote, insbesondere in Ostdeutschland," sagte Leber. Mehr als 50 Prozent der Ausbildungsstellen seien nicht besetzt. Dazu komme, dass die Zahl der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge in Branchen wie der Gastronomie und Beherbergung, aber auch im Baugewerbe kumuliert, sagte Leber. Bei der betrieblichen Weiterbildung lasse sich hingegen ein Anstieg erkennen: So nehme ein Drittel aller Beschäftigten an Weiterbildungen teil - die Weiterbildungschancen seien dabei allerdings sehr ungleich verteilt: "Diejenigen, deren Tätigkeiten in der Zukunft deutlich stärker von der Digitalisierung betroffen sein könnten, sind deutlich weniger repräsentiert", resümierte Leber.lbr

Aus Politik und Zeitgeschichte

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