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Vor 25 Jahren...
Benjamin Stahl
Ein »Band des Bundes«

19.2.1993: Entscheidung über Spreebogen und Reichstag Abgeordnetenbüros in Hochhauswüsten, ein eiförmiges Gebäude auf Stelzen für den Bundesrat, der Reichstag komplett überspannt von einem auf Pfeilern ruhenden gläsernen Flachdach. Das Berliner Regierungsviertel könnte heute völlig anders aussehen: Architekten aus 44 Ländern hatten sich an einem der weltweit größten Architektenwettbewerbe beteiligt und 836 Entwürfe für die Gestaltung des sogenannten Spreebogens eingereicht. Am 19. Februar 1993 gab die 50-köpfige Jury die Sieger bekannt - diese kamen aus Berlin. Axel Schultes und Charlotte Frank setzten sich mit ihrem Konzept "Band des Bundes" durch. Die Ost-West-Richtung verlaufende Gebäudeanordnung umfasst neben dem Kanzleramt das Paul-Löbe- sowie das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und überspringt die Spree und den ehemaligen Grenzstreifen an mehreren Stellen - eine symbolische Verbindung zwischen dem Ost- und Westteil der einst geteilten Stadt.

Am selben Tag verkündete die Jury auch die von ihr favorisierten Konzepte zur Umgestaltung des Reichstagsgebäudes. Sie stammten von den Architekten Norman Foster, Santiago Calatrava und Pi de Bruijn - und waren sehr unterschiedlich: De Bruijn wollte den Plenarsaal in ein schalenartiges Gebäude vor dem Reichstag auslagern, Clatrava sah eine knospenförmige Kuppel vor, von Foster kam der genannte Vorschlag eines baldachinartigen Glasdachs. Am Ende setzte sich der überarbeitete Entwurf Fosters durch - ohne das Glasdach. Der Plan einer Kuppel wurde erst später wieder aufgenommen.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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