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Gastkommentare - Pro
Guido Bohsem, Neue Berliner Redaktionsgesellschaft
Falsches Beispiel

Kostenübernahme bei PrAEna-test für Alle?

E s ist angesichts der deutschen Geschichte verständlich und richtig, dass Untersuchungsmethoden für das ungeborene Leben mit besonderer Skepsis betrachtet werden. Dies geschieht auch bei der Frage, ob Krankenkassen einen Bluttest zahlen sollen, der Trisomie 21 verlässlich erkennen lässt, jene Genommutation also, die das Down-Syndrom auslöst. Viele fürchten, dass der Test die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche erhöht und somit Teil eines zynischen Optimierungswahns ist.

Die Debatte ist richtig. Sie wird aber am falschen Beispiel geführt. All diese Befürchtungen treffen auf andere Früherkennungsmethoden zu, aber nicht auf den Trisomie-Bluttest. Wer dies vermutet, hat sich entweder nicht mit den medizinischen Verfahren vertraut gemacht oder ignoriert es. Das Prozedere nämlich zeigt, dass es völlig falsch wäre, den Test für Kassenpatientinnen weiterhin nur als kostenpflichtige Zusatzleistung anzubieten.

Nicht der Bluttest, sondern der Ultraschall ist das wichtigste Instrument, um nicht nur Hinweise auf Trisomie 21, sondern auch auf andere, häufiger vorkommende Fehlbildungen zu erhalten. Erst wenn diese Untersuchung Hinweise auf ein Down-Syndrom ergibt, kommt es zum Bluttest. Fällt auch dieser positiv aus und wünscht die Frau eine Abtreibung, wird zur absoluten Sicherheit noch einmal eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht (die übrigens in vielen Fällen Kassenleistung ist). Wer sich den Bluttest nicht leisten kann, wählt derzeit in der Regel sofort die Fruchtwasseruntersuchung, die aber einen schwerwiegenden Nachteil hat: Sie geht mit dem Risiko einer Fehlgeburt einher. Zahlt die Kasse den Bluttest, wird es also nicht zu mehr Abtreibungen kommen, womöglich aber zu weniger Fehlgeburten. Das sollte man wissen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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