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Gastkommentare - Contra
Eva Quadbeck, "Rheinische Post", Düsseldorf
Einen Schritt zurück

Kostenübernahme bei PrAEna-test für Alle?

E s könnte so einfach sein: Risikoschwangeren ist es schon seit Jahren möglich, mit einer kassenfinanzierten Fruchtwasseruntersuchung herauszufinden, ob das Ungeborene ein Down-Syndrom aufweist. Diese Biopsie ist mit dem Risiko verbunden, dass sie auch zu einer Fehlgeburt führen kann. Was spricht also dagegen, die gefährliche Untersuchung durch einen einfachen Bluttest zu ersetzen?

Es gibt gute Gründe, diese scheinbar so logische Entscheidung nicht zu treffen. Unsere Gesellschaft ist in hohem Maß auf die Optimierung des eigenen Lebens ausgerichtet. Entsprechend anfällig ist sie dafür, auch die Eigenschaften ungeborener Kinder zu kontrollieren und die nicht gewünschten auszusortieren. Je mehr routinemäßig überprüft wird, desto größer wird der Druck auf die Eltern, sich gegen Kinder zu entscheiden, die nicht das Merkmal "gesund" tragen. Eine zusätzliche Beratung wird diesen Automatismus nicht aufhalten können. Die weiteren Grenzen können sich in der Folge leicht verschieben: Wird per Bluttest das Down-Syndrom ermittelt, warum dann nicht auch nach schwerwiegenderen Befunden fahnden, wenn die Wissenschaft es so leicht kann?

Viel besser wäre es, wenn die Gesellschaft in dieser Frage einen Schritt zurückginge und die Selektion von Kindern mit Down-Syndrom in Frage stellte. Wir müssen mehr auf die Menschen mit Down-Syndrom hören, die ihr Recht auf Leben reklamieren und die vorleben, wie souverän man mit Handicaps umgehen kann. Wir müssen auch noch mehr den Eltern dieser Kinder zuhören, die ein erfülltes Familienleben führen und sich nicht die Frage gefallen lassen wollen, ob sie das Kind nicht auch hätten verhindern können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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