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Parlamentarisches Profil
Franz Ludwig Averdunk
Der Segler: Marian Wendt

A uf dem "Großen Teich" nahe Torgau an der Elbe kann man Marian Wendt segeln sehen, wenn er denn mal Freizeit hat. Dort wurde er vor 33 Jahren geboren. Dort im Kreis Nordsachsen ist der studierte Verwaltungsfachmann seit 2013 der direkt gewählte Volksvertreter. Der CDU-Abgeordnete sitzt dem Petitionsausschuss vor. Und für den Innenpolitiker geht es um zwei Gesetzesvorhaben, die derzeit in den Ausschüssen beraten werden: Fachkräfte-Einwanderungsgesetz und Beschäftigungs-Duldungsgesetz.

Beide Aspekte wollte die Bundesregierung in einem Gesetz regeln. Doch unter anderem Wendt legte sich quer: "Wir müssen klar trennen zwischen der Asyl- und der Erwerbsmigration." Einerseits: "Es gibt viele Menschen im Ausland, die ein Interesse haben, in Deutschland zu arbeiten. Und wir haben ein Interesse daran, dass viele Fachkräfte zu uns kommen." Insbesondere verweist er auf die Bereiche Pflege, Maschinenbau, Handwerk, Landwirtschaft.

Andererseits die "zweite Säule", wie Wendt es nennt: Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien, für die es aber keinen Fluchtgrund gebe. Ihr Asylantrag werde abgelehnt, sie würden jedoch hier geduldet: "Die müssen wir von der Asylspur in die Integrationsspur bringen, so lange sie nicht in ihr Heimatland zurückreisen können." Dafür soll es das Beschäftigungs-Duldungsgesetz geben.

Wendt hebt ab auf "Menschen, die nicht abgeschoben werden dürfen oder können, die für ihren Unterhalt sorgen, die arbeiten gehen und in die Sozialversicherungen einzahlen, die sich integrieren wollen und die Sprache lernen". Für diese Leute sei "Duldung ein Weg, um ihnen zu ermöglichen, eine mittelfristige Perspektive zu erhalten, so sie sich hier einbringen und integrieren wollen. Diese Personengruppe ist mit der hier gesammelten Berufserfahrung ein wichtiger Baustein beim Wiederaufbau der Wirtschaft in ihren Heimatländern."

An dem Fachkräfte-Vorhaben wiederum findet er gut, dass es in jedem Bundesland eine Schwerpunkt-Ausländerbehörde für den Bereich Fachkräftezuwanderung geben solle. Bisher entscheide jede Ausländerbehörde für sich. Wobei es 48 juristische Möglichkeiten gebe, in Deutschland einzureisen, und 300 Seiten einschlägige Verwaltungsvorschriften. Der Durchblick falle also schwer. Mithin: "Ich setze große Hoffnung in das Gesetz."

Freilich eine zumindest bisher noch getrübte Hoffnung: Laut Gesetzentwurf will die Regierung Nicht-EU-Ausländern ermöglichen, auch ohne Arbeitsvertrag für begrenzte Zeit einreisen zu können, um sich in Deutschland eine Stelle zu suchen. Doch Wendt findet: "Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, auch aus dem Ausland einen Job in Deutschland zu finden. Es gibt Skype, es gibt Online-Agenturen. Es ist nicht nötig, ein Arbeitsplatz-Suche-Visum für sechs Monate auszustellen." Die Unions-Fraktion sehe "die Gefahr, dass diese Leute nicht wieder ausreisen, wenn sie keinen Job gefunden oder angenommen haben". Wendt hofft, "dass wir das im Bundestag noch an die realen Bedingungen anpassen können".

Das große Interesse an ausländischen Arbeitskräften unter Wegfall erheblicher bürokratischer Hemmnisse kennt Wendt von seinen Gesprächen mit den heimischen Unternehmern. Ohnehin sei er mit den aktuellen Themen in seinem Wahlberitt gut vertraut. Seit 2014 sitzt er im Kreistag: "Das erdet mich in Nordsachsen." So erlebe er "vor Ort die Auswirkungen dessen, was wir im Bund abstrakt in Gesetze gegossen haben." Als Beispiel nennt er die Belastungen dadurch, dass die Altersgrenze für den Unterhaltsvorschuss auf 18 Jahre angehobene wurde.

Politiker-Zwirn in Bundestag und Kreistag, Segler-Montur auf dem Großen Teich - dazu zwei ganz verschiedene Uniformen. Schlicht fällt die eine aus. Die trägt er als Präsident der Bundesvereinigung des Technischen Hilfswerks. In üppigem Renaissancestil protzt er mit der anderen. Er ist Mitglied im Torgauer Geharnischtenverein, der die Tradition der 1344 gegründeten Torgauer Bürgerwehr lebendig hält. Dann legt Wendt Helm und Harnisch für Paraden an - nicht für den Wahlkampf.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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