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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Das Lied der Deutschen

Das gab es seit "Wetten dass" nicht mehr: Am Samstagabend versammelte sich die Nation vor dem Fernseher, um die erste Folge der neuen Show "The anthem of Germany - Deutschland sucht die Super-Hymne" zu schauen. In der Jury unter Vorsitz von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist der musikalische und gesellschaftspolitische Sachverstand versammelt, um eine neue Nationalhymne zu finden, "die in Ost und West aus tiefstem Herzen mitgesungen werden kann". Dieter Bohlen, Helene Fischer, Xavier Naidoo, Dunja Halali, Boris Palmer und selbstredend Heidi Klum. Der besondere Clou: Gesungen werden die Hymnen-Vorschläge von der Fußball-Nationalmannschaft. Nicht nur, weil sie bereits in der Vergangenheit musikalisch überzeugen konnte (1978: "Buenos dias Argentina" mit Udo Jürgens, 1994: "Far away in America" mit den Village People), sondern weil die DFB-Kicker die einzigen sind, deren Verhältnis zur Hymne die Nation zutiefst bewegt und mitunter auch spaltet.

Bereits ausgeschieden ist die von Ramelow bevorzugte "Kinderhymne" von Bertolt Brecht in einer Überarbeitung von Konstantin Wecker. Pop-Titan Bohlen pöbelte wie gewohnt ("Das klingt doch total scheißeeeeee"), Tübingens OB Palmer ätzte ("Welche Gesellschaft soll das abbilden?"), Fischer kam über ein atemloses "Oho, Oho" nicht hinaus, Hajali zeigte sich zumindest "dialogbereit", Naidoo befand den Weg für zu "steinig und schwer" und auch Heidi Nationale hatte "heute leider kein Bild" für das neue Lied der Deutschen. Nächsten Samstag trällert die Nationalelf dann den Hymen-Vorschlag der Gruppe Rammstein: "Deutschland, mein Herz in Flammen, will dich lieben und verdammen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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