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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Peter Frankopans Buch könnte aktueller nicht sein: Im Kern geht es um den erbitterten Konkurrenzkampf zwischen den Vereinigten Staaten und China. Seit zwei Jahren führt US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg gegen Peking, die Europäische Union und gegen wen auch immer, der es auf seine Liste schafft. Ein Ende dieser Politik ist nicht in Sicht. Washington sieht seine Interessen durch Chinas wirtschaftlichen und politischen Aufstieg zur zweitstärksten Supermacht empfindlich bedroht und reagiert entsprechend alarmiert. Vor allem die chinesische Strategie der Wiederbelebung der sagenumwobenen Seidenstraße und die entschlossen vorangetriebene Vernetzung der Welt fordern die amerikanische Regierung heraus. Demgegenüber zeigen sich die Regierungen in Zentralasien, dem Iran, in Pakistan, Indien und Russland bis hin zu Griechenland und Italien erfreut über die Investitionen Pekings in ihre marode Infrastruktur. Über eine mögliche Erpressbarkeit durch die chinesische "Verschuldungs-Falle" machen sie sich keine Sorgen.

Beflügelt vom internationalen Erfolg seines Bestsellers "Licht aus dem Osten" beschäftigt sich der Oxforder Historiker mit der Geschichte der Seidenstraße und ihrer Bedeutung für unsere Zivilisation sowie Chinas Ambitionen im Südchinesischen Meer. Wie sein deutscher Kollege Jürgen Osterhammel analysiert er das Weltgeschehen nicht nur aus europäischer Perspektive. Vielmehr berücksichtigt er die Sicht der Anderen, in diesem Fall von Asien.

Das empfehlenswerte Buch erklärt, warum die von China finanzierten neuen Transportwege den wirtschaftlichen Aufschwung der armen Staaten unterstützen. Laut Frankopan geht es um den Wohlstand und die Interessen von Milliarden Menschen. "Wir leben bereits im asiatischen Jahrhundert", stellt der Autor zusammenfassend fest. "Wo der Westen sich noch engagiert und eine wichtige Rolle spielt, da geht es fast immer um Interventionen und Eingriffe, die letztlich mehr Probleme schaffen als lösen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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