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Hans-Jürgen Leersch
Euro in Gold

Die Absicherung von Forderungen in Edelmetallen stößt bei Experten auf wenig Gegenliebe

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen", hatte Goethe einst im "Faust" gedichtet. Der Hang zum Gold ist ungebrochen. Fast 9.000 Tonnen sollen die Bundesbürger gehortet haben; die Bundesbank besitzt über 3.000 Tonnen, und auch im internationalen Zahlungsverkehr spielt Gold eine Rolle: Der Pleite-Staat Venezuela sicherte 2016 einen 750-Millionen-Dollar-Kredit der Deutschen Bank mit 20 Tonnen Gold ab. Da die sozialistische Regierung zahlungsunfähig ist, konnte sie den Kredit nicht mehr bedienen. Folge: Die Deutsche Bank soll das bei der Bank of England deponierte Gold gepfändet haben.

Gold als zu hinterlegendes Pfand - das gefällt auch der AfD. Sie fordert in einem Antrag (19/9232) eine umfassende Besicherung von Target2-Forderungen der Bundesbank gegen die Europäische Zentralbank (EZB) durch Vermögensgegenstände inklusive Gold und Goldforderungen. Durch Vermeidung einer Insolvenz beziehungsweise einer bilanziellen Überschuldungssituation der Bundesbank sollen so Einnahmeausfälle oder Nachschusspflichten für den Bundeshaushalt vermieden werden. Diese Target2-Salden können entstehen (vereinfacht ausgedrückt), wenn von einem Euro-Land mehr Geld in ein anderes fließt als aus diesem Land zurückkommt.

Der AfD-Antrag war ebenso wie ein FDP-Antrag (19/6416) Grundlage einer öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss in der vergangenen Woche. Die FDP-Fraktion will durch eine Vertiefung der europäischen Kapitalmarktunion eine Verringerung der Target2-Salden erreichen. Die deutschen Forderungen innerhalb des Systems würden sich derzeit auf rund 900 Milliarden Euro belaufen, während Schuldnerländer teilweise Verbindlichkeiten von mehr als 400 Milliarden Euro hätten.

Missverständnisse Bis auf einen Sachverständigen hielten die anderen Experten aber nichts von der Idee, Target2-Salden mit Gold besichern zu lassen. So erklärte Professor Isabel Schnabel (Bonn): "Unserer Meinung nach sind keine umfassenden Reformen des Target-Systems erforderlich, da von diesem System keine wesentlichen Risiken für den deutschen Steuerzahler ausgehen." Die Diskussion über die Target-Salden sei durch Missverständnisse und Fehldarstellungen geprägt, was zu einer Überschätzung der Risiken aus den Target-Salden in der deutschen Öffentlichkeit geführt habe, beklagte die Wissenschaftlerin. Sie erwartet, dass sich die Target-Salden im Zuge einer weniger expansiven Geldpolitik weiter reduzieren werden.

Zu den in beiden Anträgen vorhandenen Warnungen vor den Folgen des Austritts eines Eurolandes aus der Währungsunion sagte Schnabel, dies sei der "Ausfall" einer "Forderung", die die Deutsche Bundesbank zu nichts berechtige. Der Wert der "Forderung" sei Null, so Schnabel. Dirk Ehnts (Technische Universität Chemnitz) bezeichnete Target2-Salden als reine Buchungsposten, aber keine Schulden. Daher müssten diese auch nicht mit Sicherheiten unterlegt werden.

Wie Schnabel erklärte auch die Deutsche Bundesbank in ihrer Stellungnahme die Entwicklung der Target-Salden seit 2015 nicht zuletzt mit den Effekten der technischen Abwicklung der EZB-Wertpapierankauf-Programme. Zu Target2 selbst hieß es in der Bundesbank-Stellungnahme, dieses System sichere den freien Fluss von Zentralbankgeld im gesamten Euroraum und unterstütze damit die Transmission der Geldpolitik, gut funktionierende Finanzmärkte, die Wirtschaftstätigkeit und die Finanzstabilität. "Es ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Währungsunion", so die Bundesbank, die eine Besicherung der Target2-Salden zum Beispiel mit Gold als unnötig bezeichnete. Die Target2-Salden seien eine Art eingebauter Stabilisator für Zahlungsbilanzprobleme, erklärte auch der Bundesverband deutscher Banken. Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel erklärte, es habe eine massive Zahlungsbilanzfinanzierung durch das Eurosystem stattgefunden. Dabei seien Marktmechanismen außer Kraft gesetzt worden. Um der Target2-Problematik wirksam zu begegnen, müsse die Widerstandsfähigkeit der Geschäftsbanken im Euroraum und insbesondere die nationale Segmentierung der Bankenmärkte überwunden werden. Hierzu gehöre, den Nexus zwischen Geschäftsbanken und Solvenz der Staaten ihrer jeweiligen Sitzländer zu überwinden.

Nach Ansicht von Professor Philipp Bagus müssen die Target2-Forderungen ökonomisch gesehen als Geschenke betrachtet werden, da ein Kredit ohne Laufzeit ein Geschenk sei. Die Target2-Forderungen würden auch keine deutschen Ersparnisse darstellen, weil sie nicht einbringbar seien. Bagus empfahl, nur noch Gold und Goldforderungen als Sicherheit zuzulassen und am besten gleich einen "Goldeuro" einzuführen.

Den "Goldeuro" gibt es sogar schon. Für den Zahlungsverkehr sind diese Münzen aus reinem Gold aber denkbar ungeeignet, auch wenn sie als offizielles Zahlungsmittel gelten. Der Metallwert liegt weit über dem Nennwert. So bietet ein Berliner Händler 300 Euro für eine 2017 erschienene deutsche Goldmünze im Nennwert von 50 Euro.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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