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Ortstermin: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Lisa Brüßler
Ohne Kommunikation keine Prävention

"Benutzt Kondome" - diese Kernbotschaft der deutschlandweit bekannten Großflächenplakate von "Gib AIDS keine Chance" wird seit der 2016 gestarteten "Liebesleben"-Kampagne ergänzt durch den Appell "Wenn etwas nicht stimmt, es juckt oder brennt, sucht einen Arzt auf". Diese Botschaften verbindet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln mit einem gezielten Stilmittel: "Humor ist ein Hebel, um Menschen zu motivieren und aus einer Abwehrhaltung herauszuholen", erklärt Christine Winkelmann, Leiterin des Referats für Prävention von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) der BZgA. "Gerade sexuell übertragbare Infektionen sind stark mit Scham und dem Vorurteil verbunden, dass die Sexualität nicht einer vermeintlichen Norm entspricht", sagt sie.

"HIV hat die Menschen Ende der 1980er Jahre aufgerüttelt. Auch dadurch ist die Beschäftigung mit anderen Infektionen in den Hintergrund getreten", erklärt Winkelmann. Das zeigt sich auch heute noch: "Die einzigen STI, die von knapp 50 Prozent der Menschen bundesweit benannt werden können, sind Syphilis und Gonnorhö. Chlamydien oder die humanen Papillomviren (HPV) sind deutlich weniger bekannt", berichtet sie. Während bei HIV und AIDS 2017 ein Rückgang der Neuinfektionen verzeichnet wurde, sehe man bei den STI einen deutlichen Anstieg. Die Weltgesundheitsorganisation geht global von rund einer Millionen STI-Neuinfektionen pro Tag aus. Worin der Anstieg begründet ist, lässt sich nicht genau sagen. Zudem besteht nur für einige der Infektionen eine Meldepflicht. Ende 2019 soll eine erste umfassende Studie zur Erwachsenen-Sexualität mit ihren Ergebnissen Licht ins Dunkel bringen. "So etwas hat es vorher nur für die Jugendsexualität gegeben", sagt Winkelmann.

"Die STI werden oft nicht als Gesundheitsgefährdung wahrgenommen", erklärt sie. Eine Schwierigkeit sei sicher auch, dass die Infektionen so verlaufen können, dass Betroffene nichts davon mitbekommen. "Genau deswegen sind Prävention und Aufklärung so wichtig", betont sie. Die Aufklärung zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen erfolgt über die Bundesbehörde zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe. "Wir leben in einer Zeit, in der man ständig mit Sexualität konfrontiert ist. Trotzdem sind STI mit einem Stigma behaftet", sagt Winkelmann. "Es muss normal werden, mit seinem Partner und dem Arzt darüber reden zu können", wünscht sie sich. Chlamydien könnten zwar einfach nachgewiesen werden, da Screenings für Frauen bis zum 25. Lebensjahr von den Krankenversicherungen übernommen würden. "Allerdings, liegt die Inanspruchnahme bei nur zwölf Prozent", berichtet Winkelmann. Und nicht nur da: Auch beim HPV-Virus liegt die Impfquote der 17-jährigen Frauen bei nur etwa 44 Prozent. Bei einer guten Durchimpfungsrate wäre das Risiko einer Infektion sehr gering.

Mit einem Schulprojekt, das Anfang 2019 mit Piloteinsätzen startet und vom Verband der Privaten Krankenversicherungen unterstützt wird, will man in einer interaktiven Ausstellung Schüler verstärkt in Kontakt mit dem Thema sexuelle Gesundheit bringen. Neben telefonischen und Online-Beratungsangeboten, kommuniziert die BZgA auch über soziale Medien und an Multiplikatoren. "Prävention geht nicht ohne Kommunikation. Man muss Bedürfnisse und Wünsche benennen und Grenzen vermitteln können", sagt Winkelmann. Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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