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Ortstermin: deutsch-chinesischer freundschaftsverein Mainz-Wiesbaden
Lisa Brüßler
Auf einen Tee mit den Meenzer China-Freunden

Eine blaue Schale mit Oolong- und Pu-Erh-Tee, mit grünen, weißen, roten und sogar gelben Teeblättern steht vor Xiu Yun Zeng. Alle stammen sie von derselben Pflanze. Den Unterschied in den Sorten schaffen Röstung und Fermentierung. Zeng führt das GuTeeHaus in der Mainzer Klarastraße - mit einem benachbarten Asia-Markt und einer Shiatsu-Praxis ist es quasi das chinesische Viertel der Stadt. Zeng wird in der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft Mainz-Wiesbaden (GDCF) nur die "Tee-Doktorin" genannt. Im Hinterhof des Ladens führt sie die Mitglieder des Vereins in die Heilkraft und Geheimnisse der fast 5.000 Jahre alten chinesischen Teekultur ein: "Tee kann in China so exklusiv sein wie bei uns Wein. Das Alter der Teepflanze ist entscheidend", erklärt sie. Vor zehn Jahren ist Zeng nach Deutschland gekommen und hat im Verein ein Stück Heimat gefunden.

So geht es vielen: Die Hälfte der 100 Vereinsmitglieder kommt aus China. Es sind Geschäftsleute, Familien und Kinder, die mit der Kultur aufwachsen. Zwischen 50.000 und 100.000 Chinesen leben im Rhein-Main-Gebiet. "Die Vereinsgeschichte reicht zurück in die 1970er Jahre, in denen vor allem chinesischen Studenten Hilfe geboten wurde", erklärt Kurt Karst, Vorsitzender des Vereins. Jockel Fuchs, der damalige Mainzer Oberbürgermeister, organisierte 1973 die erste Delegationsreise aus Deutschland nach China.

Das war der Startschuss für den Verein, der 1978 dann in Mainz gegründet wurde. Nach einigen Jahren fiel auf, dass die Hälfte der Mitglieder in Wiesbaden lebt. Es folgte die Erweiterung des Vereins um die hessische Stadt. Um 1989 schlief die Vereinstätigkeit etwas ein, doch seit 2014 sorgt Karst im Verein für frischen Wind. "Unser Ziel ist es, durch Aktivitäten Kenntnisse über China, seine Menschen und die jahrtausendalte Kultur zu verbreiten und das gegenseitige Verstehen und Begegnungen zu fördern", sagt Karst. "Wir haben viele Kooperationspartner aus dem Kulturbereich und könnten jeden Monat eine Ausstellung auf die Beine stellen", sagt er. Nötig wären dafür aber Räumlichkeiten und ein Büro. Dafür, und als Lager für die vielen Gastgeschenke, dient bislang Karsts Garage.

Karst reist regelmäßig nach China und kennt das Land gut - auch wenn er kein Chinesisch spricht. Dabei helfen andere Vereinsmitglieder. Auch einige der deutschen Mitglieder lernen an einer der Samstagsschulen Chinesisch. "Oft können die Kinder in den Familien zwar gut Chinesisch sprechen, aber nicht lesen und schreiben. Das ist uns natürlich ein Anliegen", sagt Karst. Neben den regelmäßigen Treffen organisiert der GDCF auch Lesungen, Schulaustausche, Hip-Hop-Projekte und Konzerte. Während des 200-Jahre-Karl-Marx-Jubiläums in Trier waren etwa vier Monate lang Performances von chinesischen Künstlern aus unterschiedlichen Provinzen zu sehen.

Etwas schwierig werde es immer, wenn es um das Thema Politik gehe: "Wir umschiffen das und reden eher im kleinen Kreis darüber, das ist effektiver", sagt er. Viele Vereinsmitglieder ärgere das oft rein wirtschaftlich geprägte oder verzerrte China-Bild einiger Medien. Deshalb organisiere man Vorträge, Dialogveranstaltungen und fertige Berichte an, die sachlich informieren und Angst nehmen sollen.

Angst haben die, die zur Teeverkostung gekommen sind, keine - dafür aber viele Fragen. Die kleinen Kannen und Teeschälchen leeren sich schnell. "Die sind so klein, damit man bewusster und wenig trinkt", antwortet Zeng. Die Menschen hätten viel Wissen über Tee verlernt und vergessen - das will sie ändern: Mit einer zweiten Tee-Reise des Verein im kommenden Jahr.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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