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Claus Peter Kosfeld
Lichtblick im Kohlenstaub

In China spielt die Kohle eine Hauptrolle, aber Erneuerbare holen auf

China ist auch beim Energieverbrauch ein Land der Superlative. Nirgendwo sonst in der industrialisierten Welt sind die Wirtschaftswachstumsraten seit Jahren so hoch, und nirgendwo sonst wird so viel Energie benötigt und zugleich emsig die Energiewende bemüht, denn die gravierende Umweltbelastung trübt das Bild von der glänzenden neuen Weltmacht.

Die Energieproduktion in China ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und erreichte nach einer Analyse des Think-Tanks Agora Energiewende 2016 einen Wert von 5.990 Terrawattstunden (TWh). Das sind 1.760 TWh oder 40 Prozent mehr als 2010. Zum Vergleich: Die EU kam 2016 auf 3.211 TWh. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Beim Stromverbrauch liegt China in absoluten Zahlen deutlich vor den USA und der EU, umgerechnet auf die Einwohnerzahl verbrauchen die Amerikaner aber fast drei Mal so viel Strom wie die Chinesen. Experten erwarten trotz der intensivierten Bemühungen zur Energieeffizienz in China angesichts der hohen Wachstumsraten und dem Trend zu elektrischen Fahrzeugen auch einen weiter ansteigenden Stromverbrauch. Bis 2040 wird zudem damit gerechnet, dass auch der durchschnittliche chinesische Haushalt fast doppelt so viel Strom verbraucht wie heute.

In China ist nach wie vor Kohle der dominierende Energieträger. Zwar geht der prozentuale Anteil der Kohle am Energiemix des Landes zurück, jedoch kam die Kohle 2016 immer noch auf rund 65 Prozent der Gesamtenergieproduktion, 2010 waren es 76 Prozent. Die vielen Kohlekraftwerke bilden zwar einerseits das Rückgrat der chinesischen Energieproduktion und damit auch die Basis für die Industrialisierung und den sich ausbreitenden Wohlstand, führen auf der anderen Seite aber zu schweren Belastungen für die Umwelt und das Klima. Smog und hohe CO2-Werte sind die Folge.

Neuer Energiemix Umwelt- und Klimaschutz spielen in China neuerdings eine größere Rolle. Die Erneuerbaren Energien, darunter Wind- und Wasserkraft sowie vor allem Solaranlagen, werden staatlich gefördert und haben in den vergangenen Jahren bereits stark zugelegt. Sie kamen 2016 zusammen auf einen Anteil von immerhin 25 Prozent am Energiemix des Landes oder rund 1.488 TWh. Hinzu kommt ein wachsender Anteil von Energie aus Kernkraft, der 2016 bei rund vier Prozent der Gesamtleistung lag.

Der Energiehunger des mit knapp 1,4 Milliarden Menschen bevölkerungsreichsten Landes der Erde zieht sich durch alle Sektoren: Landwirtschaft, Industrie und Handwerk, Dienstleistungen sowie private Haushalte. Den größten relativen Zuwachs verbuchte der Agora-Studie zufolge zwischen 2010 und 2016 der Dienstleistungssektor mit 78 Prozent, ein Zeichen für den Wandel der chinesischen Wirtschaft.

Nach Einschätzung der International Energy Agency (IEA) entwickelt sich China zu einer servicebasierten Wirtschaft und ist damit unterwegs in Richtung eines sauberen Energiemixes. Eine IEA-Projektion macht deutlich, dass Kohle nach der neuen Politik des Landes zwar auch in Zukunft noch eine bedeutende Rolle spielt, 2040 aber voraussichtlich weniger als 40 Prozent der gesamten Energieerzeugung des Landes ausmachen wird.

2016 lag die installierte Leistung für Kohle laut IEA bei 945 Gigawatt (GW), die Windenergie kam auf 149 GW, die Solarkraft auf 77 GW. In der Projektion wird davon ausgegangen, dass 2040 die installierte Kohle-Leistung mit 1.087 GW nur geringfügig höher liegt, während die Windkraft auf 593 GW hochschnellt und die Solarenergie sogar auf 738 GW. Hinzu kämen perspektivisch Wasserkraftwerke mit einer Leistung von 493 GW sowie die Nuklearenergie mit 145 GW Leistung. Die IEA kommt zu dem Schluss, dass der Weg zu sauberer Luft in China lang werden dürfte. Die Regierung gebe sich nun aber Mühe, "den Himmel wieder blau zu machen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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