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Peter Boßdorf
Chinas Nachbarn

Mit Russland militärischer Schulterschluss gegen USA

Mit gemeinsamen Manövern wie "Wostok" im asiatischen Teil Russlands vor einem Jahr und soeben "Schutzschild der See" in der Ostsee demonstrieren Moskau und Peking ihre militärische Zusammenarbeit. Geopolitisch suchen sie den Schulterschluss gegen die USA, wo immer dies möglich ist. Wirtschaftlich befinden sie sich jedoch nicht auf Augenhöhe. China hat Russland längst abgehängt. Die Konkurrenz um Ressourcen und Einfluss in Zentral- und Ostasien könnte dazu führen, dass die Partnerschaft in Rivalität umschlägt.

»Abtrünnige Provinz« Taiwan genießt Amerikas Schutz

Für sich selbst reklamiert Taiwan den Namen "Republik China". Daraus wird der ursprüngliche Anspruch der Verlierer des Bürgerkrieges, die sich auf die Insel zurückgezogen hatten, erkennbar: Man wollte das eigentliche China repräsentieren. Nach der Annäherung zwischen Peking und Washington zu Beginn der 1970-er Jahre ließ sich dieser Anspruch nicht mehr durchhalten. Allerdings garantieren die USA weiterhin die Selbstständigkeit der Insel. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als "abtrünnige Provinz", die es zurückzugewinnen gilt.

Wirtschaftlich hat China Japan längst überholt

Vor einer Generation galt Japan als die boomende Wirtschaftsnation Ostasiens. Diesen Rang hat ihm China abgelaufen. Die wirtschaftliche Verflechtung beider Staaten ist eng. Die politischen Beziehungen hingegen sind belastet. Japan gehörte im "Jahrhundert der Erniedrigung" (1840-1940) zu den Kolonialmächten in China. Im Ostchinesischen Meer gibt es konkurrierende Territorialansprüche. Japan ist sicherheitspolitisch ein enger Partner der USA. Seine Streitkräfte sind nicht mehr länger nur auf Selbstverteidigung ausgerichtet.

Peking hält die Hand über das Regime in Nordkorea

China mag das Atomprogramm Nordkoreas mit Unbehagen betrachten, hielt aber dennoch bislang stets seine schützende Hand über das von einem archaischen Regime beherrschte Nachbarland. Den Vorwand zu einer Intervention der USA vor der eigenen Haustür durfte es nicht bieten. Daher favorisiert Peking einen multilateralen Rahmen zur Lösung des Problems. 90 Prozent seines Außenhandels wickelt Nordkorea mit China ab. Es gibt Anzeichen dafür, dass die zaghaften Wirtschaftsreformen Pjöngjangs von Peking inspiriert sind.

Mit Südkorea sind nur die Wirtschaftsbeziehungen eng

Südkorea ist ein enger Alliierter der USA, ohne deren Engagement im Krieg zu Beginn der 1950-er Jahre die gesamte Halbinsel unter kommunistische Herrschaft geraten wäre. Fast 30.000 amerikanische Soldaten sind noch heute im Land stationiert. China ist diese Präsenz des globalstrategischen Rivalen in der Nachbarschaft ein Dorn im Auge, zumal die USA an Südkorea auch ein Raketenabwehrsystem geliefert haben, das Peking als gegen sich gerichtet betrachtet. Die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Südkorea und China sind dadurch allerdings nicht beeinträchtigt.

Schwelende Grenzkonflikte mit Indien weiter ungelöst

Indiens Bevölkerung ist inzwischen zwar fast so zahlreich wie die chinesische. Wirtschaftlich hat die südasiatische Nation allerdings nicht die rasanten Wachstumszahlen des Nachbarn im Nordosten vorzuweisen. Seit Jahrzehnten schwelende Grenzkonflikte sind weiter ungelöst. Aufgrund der Seidenstraßeninitiative ist China nicht nur ein Machtfaktor im Indischen Ozean geworden, was Neu Delhi mit Argwohn betrachtet. Besonders beunruhigend ist aus indischer Sicht, dass Peking im Rahmen dieser Initiative auch eng mit Pakistan kooperiert, dessen Verhältnis zu Indien angespannt ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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