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Ortstermin: bundesamt für verbraucherschutz und lebensmittelsicherheit
Lisa Brüßler
Auf den Spuren der Essensfälscher

Grün gefärbtes Sonnenblumenöl, das als teures Olivenöl ausgegeben wird, mit Zuckersirup gepanschter Honig und mit Wasser aufgespritzte oder gefärbte Fische - in Fälscherlaboren versuchen die Experten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) immer wieder, dafür zu sensibilisieren, mit wie wenig Aufwand Fälschungen hergestellt werden. "Trotzdem ist es für Verbraucher fast unmöglich, eine Lebensmittelfälschung zu erkennen", erklärt Oliver Frandrup-Kuhr. Er ist Referatsleiter für Krisenmanagement und Food Fraud im BVL in Berlin, das 2002 gegründet wurde.

Lange und komplizierte Lieferketten, ein geringes Risiko, entdeckt zu werden, und enorme Gewinnspannen machen es den Betrügern leicht. Seitdem das Thema durch den Pferdefleisch-Skandal im Jahr 2013 auf die europäische Agenda gelangt ist, wurde ein European Food Fraud Network eingerichtet und die zwischenbehördliche Zusammenarbeit steigt. "Food Fraud ist ein kompliziertes Thema, weil es unterschiedliche Rechtsbereiche betrifft und es keine einheitliche Definition gibt", sagt Frandrup-Kuhr. Das erschwert es, die Betrugsfälle statistisch zu erfassen, denn die Fälscher operieren über etliche Ländergrenzen hinweg. "Unser Erfolg hängt also maßgeblich davon ab, dass alle Seiten zusammenarbeiten", betont er.

Zu den Lebensmitteln, die am meisten gefälscht werden, zählen neben Olivenöl, Honig und Fisch auch Bio-Produkte, Milch, Kaffee, Gewürze und Wein. "Es müssen keine hochpreisigen Waren sein. Die hohen Gewinne werden über die riesigen Mengen erreicht", sagt der Lebensmittelchemiker. Viele Verbindungen führen zur organisierten Kriminalität: "Die findet Geschmack daran, weil es einfacher ist, mit Lebensmitteln zu handeln als etwa mit Waffen", sagt Frandrup-Kuhr. Er glaubt, dass die Fälscher bemerkt haben, dass die Behörden aufgerüstet haben. Auch wichtige Hinweise über Insider aus der Industrie hätten zugenommen. "Lebensmittelbetrug gab es schon immer, nur heute haben die Fälscher Insiderwissen und stellen meistens keine plumpen Fälschungen her", sagt er.

Lebensmittelüberwachung ist Ländersache. Wie bei einer Informationsdrehscheibe hält das BVL den Kontakt zu sämtlichen Behörden im In- und Ausland, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, wertet Daten aus und koordiniert die Melde- und Informationssysteme. Und auch wenn die Labore der Bundesländer nicht weiterwissen oder sich vergewissern wollen, bietet das BVL mit seinen Referenzlaboren Rat. Um mit vergleichbaren Werten arbeiten zu können, müssen oft verschiedene Methoden kombiniert werden. "Es gibt eigentlich jeden Tag neue Fälle oder Erkenntnisse aus den Mitgliedstaaten", sagt Frandrup-Kuhr. Über koordinierte Kontrollprogramme und Weiterbildung versucht man außerdem, Bekämpfungsstrategien zu verfeinern. So schulten vor kurzem Experten der italienischen Partnerbehörde deutsche Lebensmittelkontrolleure darin, Betrug bei Olivenöl zu erschmecken und vor Ort Maschen von Betrügern zu erkennen.

Hoffnung macht auch die Digitalisierung: Eine gemeinsame Datenbank zu Analysemethoden und Interpretationsmöglichkeiten könnte als Langzeitziel für mehr Übersicht sorgen. Mit bayrischen Partnern arbeitet das BVL außerdem an einem Frühwarnsystem, das Softwaredaten auf systematische Auffälligkeiten bei Preisen, Importvolumen und Herkunftsländern untersucht. So ergeben sich Anhaltspunkte für die weitere Spurensuche.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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