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Gastkommentare - Pro
Silvia Liebrich
Mehr Transparenz

Brauchen wir eine Lebensmittel-Ampel?

Es gibt keine schlagkräftigen Argumente, die gegen die Einführung einer Lebensmittelkennzeichnung nach dem Nutriscore-System sprechen. Ganz im Gegenteil. Die fünffarbige Lebensmittelampel schafft dort Transparenz, wo sie dringend gebraucht wird. Inhaltsangaben selbst auf einem simplen Joghurt sind kompliziert und für die meisten Käufer unverständlich. Mehr Durchblick kann für eine gesunde Ernährung nur helfen. Hinzu kommt: bei keinem anderen System sind sich Verbraucherschützer, Wissenschaftler und selbst große internationale Hersteller über den Nutzen so einig. Lediglich der Verband der deutschen Lebensmittelwirtschaft hat Einwände. Er warnt vor einer subjektiven Einordnung in gute und schlechte Lebensmittel. Als Argument gegen Nutriscore taugt dies freilich nicht, schließlich geht es ja genau darum. Hier offenbart sich allenfalls eine irrationale Angst vor Transparenz, und zwar zum Schaden der Konsumenten. Eine verantwortungsvolle Politik darf sich dem nicht beugen.

Klar ist auch, es muss endlich etwas geschehen: Viele Fertigprodukte enthalten zu viel Fett, Zucker oder Salz - mit negativen Folgen. Ein Übermaß an Zucker macht auf die Dauer dick und krank. Behandlungskosten von Folgekrankheiten belasten zunehmend das Gesundheitssystem. Aufkommen müssen dafür die Steuerzahler. Studien zeigen, dass eine Lebensmittelampel den Konsum von süßen Getränken wie Limonade zumindest dämpfen kann. Zugleich schafft sie Anreize für Produzenten, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Dass das Nutriscore-System funktioniert und bei Verbrauchern gut ankommt, zeigt die Einführung in einigen anderen EU-Länder. Es ist an der Zeit, dass Deutschland diesem Beispiel folgt. Wenn nötig, gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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