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Gastkommentare - Contra
Hagen Strauß
Nur Scheinsicherheit

Brauchen wir eine Lebensmittel-Ampel?

A mpeln sind eigentlich immer gut - rot, gelb, grün, man weiß sofort Bescheid. Im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtend ist das Prinzip. Doch bei der Ernährung ist es nicht ganz so einfach.

Die Verbraucher wollen Klarheit am Kühlregal und an der Ladentheke. Sie wollen wissen, was gut oder schlecht für sie ist und wie die Tiere gehalten wurden, deren Fleisch sie kaufen können. Am besten auch, ob ein Produkt klimaneutral produziert und fair gehandelt wurde. Das ist lobenswert. Aber dank der Vielzahl an Siegeln geht es schon ziemlich bunt auf den Verpackungen zu - genauer gesagt: unübersichtlich. Wer glaubt, dass mit einer Lebensmittelampel schlichte Ordnung Einzug hält, irrt. Die Ampel bietet nur eine Scheinsicherheit.

In Wahrheit vereinfacht sie unzulässig. Lebensmittel würden per Signalfarben als "ungesund" dämonisiert oder als "gesund" bejubelt, obwohl jeder weiß: Die eine Schokolade ist nicht das Problem, wenn es um die Gesundheit geht. Entscheidend ist die richtige Kombination verschiedener Lebensmittel, weil sich der Bedarf an Nährstoffen eben erheblich unterscheidet. Das kann die Ampel nicht leisten. Im Gegenteil: Wer rot sieht, glaubt, dass er dieses Produkt am besten nicht verzehren sollte. So einfach ist mitunter die Konsumenten-Denke. Wohin das führen kann, zeigt das verwirrende Mindesthaltbarkeitsdatum. Immer noch glauben zu viele Menschen, sie müssten nach Ablauf das Produkt wegwerfen. Doch das ist falsch.

Zugleich wird dem Verbraucher suggeriert, er könne sich gut ernähren, wenn er möglichst viele Produkte mit grünem Ampellicht wählt. Auch das ist Unsinn. Ernährung ist einfach zu komplex, um sie der Schlichtheit von Signalfarben zu überlassen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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