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SICHERHEIT
Alexander Weinlein
Dioxin und Rinderwahn

Jährlich werden 500.000 Betriebe kontrolliert

Dioxin und Salmonellen in Eiern, Frostschutzmittel im Wein, Pferdefleisch in Fertigerichten, Würmer und Mäusekot im Mozarella, Gammelfleisch und Rinderwahn - die Liste der Lebensmittelskandale, die Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erschütterten, ist lang. Mal sind es unbeabsichtigte Verunreinigungen in der langen Kette der Lebensmittelproduktion, mal aber auch die Folge von kriminellen Verhalten und Profitsucht.

So oder so kann es katastrophale Folgen zeitigen, wenn die gesetzlichen Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit unterlaufen werden, giftige Stoffe oder Krankheitserreger in die Lebensmittelproduktion geraten. Als 2011 der Darmkeim Ehec aus Ägypten durch Bockshornkleesamen für Sprossen eingeschleppt wurde, erkrankten mehr als 3.800 Menschen, 53 starben gar an der Infektion. Kein Wunder, dass solche Lebensmittelskandale politischen Sprengstoff bergen. Diese Erfahrung mussten etwa Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und Landwirtschaftsminister Kar-Heinz Funke (SPD) im Januar 2001 machen, als beide in Folge der BSE-Krise zurücktraten.

Hauptverantwortlich für die Kontrolle der Umsetzung der EU-Verordnungen und nationalen Gesetze zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit sind die Bundesländer beziehungsweise deren entsprechenden Ministerien. Lebensmittelkontrolleure, amtliche Tierärzte und Lebensmittelchemiker von Städten und Kreisen überprüfen regelmäßig per Stichprobe die betrieblichen Eigenkontrollen, die Hygiene von Produktionsstätten, Geräten und des Personals sowie die korrekte Kennzeichnung von Lebensmitteln und deren Zusammensetzung. Bundesweit werden jährlich mehr als 500.000 Betriebe des Lebensmittelhandwerks und der -industrie, des Handel und der Gastronomie überprüft und etwa 400.000 Proben genommen.

Information der Öffentlichkeit Fündig werden die Kontrolleure dabei immer: 2016 etwa führten die Kontrollen zu rund 45.600 Beanstandungen, von denen mehr als die Hälfte die Kennzeichnung und Verpackung von Lebensmitteln betrafen. In rund sieben Prozent der Lebensmittelproben fanden die Kontrolleure aber auch Fremdkörper, Mykotoxine oder Pflanzenschutzmittelrückstände oberhalb der zulässigen Grenzwerte. Über erhebliche festgestellte Verstöße gegen das Lebensmittel- und Futtermittelrechts muss die Öffentlichkeit durch die Behörden informiert werden. (siehe auch "Kehrseite")

Aus Politik und Zeitgeschichte

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