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Gastkommentare - Contra
Manfred Schäfers, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Last bleibt Last

Schulden für den Klimaschutz?

D ie rhetorische Frage, die häufig zu hören ist, klingt überzeugend: Was hilft uns der ausgeglichene Haushalt, wenn das Klima kippt? Die Antwort wird gleich mitgegeben: "Weg mit der Schwarzen Null. Wir brauchen die Grüne Null."

Der Ansatz ist nicht so neu, wie die Befürworter meinen. Immer wieder gab es in Deutschland wie in anderen Ländern Europas Versuche, die Grenzen der Neuverschuldung auszuhebeln, im Glauben, nur so eine bessere Zukunft schaffen zu können. Investitionen, Bildung, Forschung, Verteidigung und nun Klimaschutz. Der Ansatzpunkt ändert sich, das Ziel ist dasselbe: Man will eine lästige Fessel abstreifen, um mehr ausgeben zu können.

Den damit verbundenen Krediten sieht man leider nicht an, ob sie für einen guten oder einen schlechten Zweck aufgenommen worden sind. In Zeiten, in denen der Staat keine Zinsen für seine Schuldpapiere zahlen muss, sondern sogar Geld von seinen Gläubigern bekommt, ist es nicht leicht, solche Begehrlichkeiten abzuwehren. Wer auf die damit verbundenen Risiken verweist, wirkt kleingeistig. Doch eine Last bleibt eine Last - auch ohne Zinsen. Wer mehr für den Klimaschutz tun will, muss woanders kürzen. Schulden engen künftige Spielräume ein. In Deutschland werden in wenigen Jahren spürbar weniger Menschen arbeiten und Steuern zahlen. Es wird weiterhin große Aufgaben geben. Das kann der Klimaschutz sein, dass kann die Notwendigkeit sein, die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Es kann etwas ganz anderes sein. Keiner weiß, was kommt. Auch nicht, wie lange die Zinswelt Kopf steht. Es gebietet der Respekt vor der nächsten Generation, ihnen geordnete Staatsfinanzen zu hinterlassen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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