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berufliche bildung
Lisa Brüßler
Von Erfolgsmodellen lernen

Leuchtturm-Unternehmen und -Regionen im Fokus

Die Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen in der Digitalisierung bleiben groß. Was betriebliche und überbetriebliche Erfolgsfaktoren in der beruflichen Bildung sein können, damit beschäftigte sich die Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt" vergangene Woche in einem öffentlichen Fachgespräch.

Oliver Maassen von der Trumpf-Gruppe in Ditzingen (Baden-Württemberg) berichtete von der Situation bei einem der weltweit größten Anbieter von Werkzeugmaschinen. In dem schwäbischen Familienunternehmen arbeitet die Hälfte der 14.000 Mitarbeiter nicht in Deutschland. "In diesem Jahr wurden über tausend Führungskräfte in zweitägigen Workshop geschult - auch damit sie die Transformation in ihren Bereichen formen können", berichtete er der Kommission. Jede Führungskraft habe zudem den Auftrag, mindestens zwei Mal jährlich in Schulen zu gehen. Das Konzept, Lehrer auch mal in Unternehmen zu bringen, werde zukünftig ein großes Thema, prognostizierte Maassen.

Das Unternehmen bilde in acht Berufen aus und habe Studierende in neun dualen Studiengängen. Für die etwa 400 Auszubildenden werde zudem ein "digitaler Ausbilder" beschäftig. Bewährt habe sich im Unternehmen, dass Auszubildende und Studierende gemeinsam Projekte entwickeln.

Günter Hofmann vom Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH in Lichtenfels ( Bayern) berichtete den Kommissionsmitgliedern von der Situation in seinem Familienunternehmen. Dort arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter und mehr als 50 Auszubildende. Das Unternehmen habe ein umfangreiches Weiterbildungskonzept, das jedem Mitarbeiter offen stehe, sagte Hofmann. "Die wichtigsten Faktoren sind ein modernes, gut ausgestattetes Ausbildungszentrum und kompetente Ausbilder", betonte Hofmann. Auszubildende neue Technologien, wie den 3D-Druck, ausprobieren zu lassen, habe sich bewährt. Aber auch über Möglichkeiten, wie die Teilnahme am Programm Erasmus+ im Ausland könne man als Arbeitgeber attraktiv bleiben.

Suche nach Azubis Wirksam bei der Suche nach Auszubildenden seien vor allem die Mund-zu-Mund-Propaganda unter jungen Menschen, aber auch der Besuch von Ausbildungsmessen, bei denen Auszubildende selbst potenzielle Nachwuchskräfte informieren. Hofmann betonte auch die Wichtigkeit von Netzwerken und Kooperationen: "Wir haben uns entschlossen, ein neues Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien aufzubauen, um angewandte Forschung für regionale Unternehmen, Wissenstransfer und Weiterbildung anzubieten", sagte der Unternehmer. Das biete auch Chancen für kleine und mittlere Unternehmen und Berufsschulen.

Wie die Situation eines privaten Aus- und Weiterbildungsträgers ist, berichtete Steffen Staake von der BAL - Bildungs- und Beteiligungs GmbH in Leuna (Sachsen-Anhalt). "Wir haben 100 Auszubildende in mehr als 20 Ausbildungsberufen", sagte er. 1993 wurde der Campus gegründet. Im Bereich der Berufsvorbereitung arbeite man eng mit Schulen aus dem Saalekreis zusammen. "Ich denke, jede Schule ist in der Lage, Maßnahmen zur Berufsorientierung bei Bildungsunternehmen in Anspruch zu nehmen", sagte Staake. Er plädierte dafür, die Ausbildung bei Bildungsträgern auszubauen, da es im integrativen Modell geringere Abbrecherquoten als im kooperativen Modell gebe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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