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Parlamentarisches Profil
Peter Stützle
Der Wanderer: Steffen Kotré

U mweltfreundlicher als er kann man seine Freizeit kaum verbringen: Auf Schusters Rappen durch die Natur, vom Spaziergang bis zur mehrtägigen Wanderung mit Übernachtung im Freien. Doch mit der umweltpolitischen Debatte, wie sie derzeit geführt wird, hat Steffen Kotré nichts am Hut. "Uns ist da zu viel Hysterie drin", sagt der energiepolitische Sprecher der AfD-Fraktion. Er wolle gar nicht ausschließen, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, auch wenn es da in der Wissenschaft durchaus unterschiedliche Ansichten gebe. "Was ich aber ausschließe ist, dass wir mit den Maßnahmen, die in Deutschland angedacht sind, einen Klimawandel irgendwie aufhalten können".

Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung spare Deutschland vielleicht 0,1 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes ein, argumentiert Kotré. Gleichzeitig steige aber überall auf der Welt der CO2-Ausstoß. "Es ergibt überhaupt keinen Sinn, dass wir hier unsere Industrie massiv schädigen und volkswirtschaftliches Vermögen verschwenden, während gleichzeitig das Risiko für Altersarmut und Kinderarmut steigt." Dass die CDU, in der "vor zwei Jahren noch keiner über den Kohleausstieg geredet" habe, "jetzt plötzlich diese Hybris und diesen Hype mitmacht", darüber schüttelt Kotré den Kopf.

Auch im Emissionshandel, wie ihn die Koalition plant, sieht der Oppositionsabgeordnete kein geeignetes Instrument. Seines Erachtens läuft er auf eine Art Steuererhöhung hinaus, die vor allem Haushalte mit wenig Einkommen zu spüren bekommen, "und deswegen lehnen wir diese Experimente ab". Deutschland sei nicht so reich, gibt Kotré zu bedenken, laut Allianz-Vermögensreport habe es unterdurchschnittliche Geld- und Immobilienvermögen. "Wir haben schlichtweg keine Ressourcen, um hier noch eine Steuererhöhung zu verkraften."

Was nach Ansicht des AfD-Abgeordneten die Kosten der Energiewende besonders in die Höhe treibt, ist der "einseitige" Fokus auf erneuerbare Energien. "Es wird nicht darüber diskutiert, dass man CO2 im Boden verpressen kann, lagern kann oder sogar wieder umwandeln kann. Diese Technologien werden links liegen gelassen. Wenn ich denn denken würde, dass CO2 dieses Teufelszeug wäre, dann würde ich erst mal technologie-offener herangehen und vor allen Dingen preiswerte Lösungen suchen."

Der 1971 geborene Steffen Kotré hat nach dem Abitur in der DDR eine Ausbildung zum Elektromonteur absolviert. Nach der Wende leistete er Zivildienst an der Berliner Charité und machte dann sein Diplom als Wirtschaftsingenieur. Nach mehreren Jahren als Unternehmensberater für kleine und mittlere Unternehmen wurde er 2014 Referent für Wirtschaft und Energie der AfD-Landtagsfraktion Brandenburg. 2017 kam er über die Landesliste Brandenburg in den Bundestag.

Zunächst war Kotré jahrelang Mitglied der FDP. Ihre wirtschaftsliberale Politik, ihre Fokussierung auf den Mittelstand, das habe ihn damals angezogen. "Allerdings ist sie dann, genauso wie alle anderen Parteien, nach links gewandert." Da er gesehen habe, "dass die Interessen der Deutschen nicht mehr vertreten werden, dass wir Volksvermögen verschwenden und vor allem die Identität des deutschen Volkes in Gefahr ist", habe er sich der AfD angeschlossen. Nicht die Euro-Rettung wie bei zahlreichen anderen ehemaligen FDP-Mitgliedern habe bei ihm den Ausschlag zum Wechsel gegeben, sondern die Zuwanderungspolitik und der Eindruck, dass "das konservative Element in Deutschland fehlt".

"Alter Herr einer Berliner Studentenverbindung" steht in Kotrés offizieller Bundestags-Biografie. Die wenigsten Abgeordneten, die in einer Verbindung sind, geben das hier an. Kotré findet das "bezeichnend. Wir verlieren in Deutschland die Achtung vor dem Konservativen. Im Zuge der 68er sind solche traditionellen Dinge verbannt worden." Er aber sei "angetreten, um offensiv die konservative Politik wieder zur Geltung zu bringen, weil ich meine, dass nur sie Deutschland stabil machen kann. Und insofern ist es nur folgerichtig, dass ich eben auch dazu stehe, dass ich Alter Herr einer Verbindung bin."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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