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EDITORIAL
Jörg Biallas
Paket oder Päckchen?

Alle Experten hatten einen großen Wurf angemahnt. Und dann das: Ein Klima-Paket, das viele angesichts der großen Herausforderungen allenfalls für ein Päckchen halten.

Aber Hand aufs Herz: War mehr zu erwarten? Das vorliegende Programm ist ein politischer Kompromiss, der immerhin den richtigen Weg weist.

Jetzt wird es darauf ankommen, im parlamentarischen Prozess die verschiedenen Interessenslagen feiner auszutarieren. Es bleibt abzuwarten, was am Ende im Gesetzestext steht, nachdem Bundestag und Bundesrat darüber debattiert haben.

Auch wenn die Zeit drängt, täte dem Thema inzwischen mehr Sachlichkeit gut. Es bleibt richtig, dass unsere Kinder und Enkelkinder weltweit ihren Zorn über eine verfehlte Klimapolitik artikulieren. Sie wissen dabei die Wissenschaft an ihrer Seite, die seit Jahrzehnten auf das Problem aufmerksam macht.

Schwierig wird es dann, wenn Teenager-Trotz zu Teenager-Hysterie mutiert, wie jüngst in New York geschehen. Das schadet einer Bewegung, der viele derartig imposante Erfolge nicht zugetraut hätten.

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur in der westlichen Welt ein bemerkenswertes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt entwickelt. Eine ökologisch nachhaltige Lebensweise ist längst mehr als die Überzeugung einiger weniger belächelter Außenseiter. Nie war die Bevölkerung so bereit wie heute, sich auch ganz persönlich für das Klima zu engagieren. Etwa mit privaten Investitionen in Eigenheim oder Auto.

Die Politik hat erkannt, dass die Menschen eine effektivere Klimapolitik erwarten. Durch Anreize zur Gebäude- oder Heizungssanierung, eine veränderte Verkehrs- und Energiepolitik, Einflussnahme auf die Industrie und, nicht zuletzt, durch überzeugendes Auftreten in Fragen des Umweltschutzes auf internationalem Parkett.

Allerdings muss die Politik auch das Machbare im Auge behalten. Es ist in einer Industrienation nicht einfach, aus Kohle- und Kernenergie auszusteigen und gleichzeitig die Stromversorgung in dem gewohnten Maß aufrechtzuerhalten. Zumal der digitale Fortschritt eher nach mehr als nach weniger Energie verlangt.

Paket oder Päckchen?

Der Anfang ist gemacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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