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Bernd Haunfelder
Erhard Eppler gestorben

Ruhig war es um Erhard Eppler (Foto), der am 19. Oktober im Alter von 92 Jahren starb, erst in letzter Zeit geworden. Bis dahin hatte er zu vielen Themen Wichtiges zu sagen: zu ökologischen Problemen, zum Wettrüsten und vor allem zur sozialen Gerechtigkeit. Dass er als Politiker ohne Amt weit mehr als mit Amt wahrgenommen und respektiert wurde, war selbst großen Gestaltern nicht immer beschieden. Seine von protestantischem Gewissensernst geprägten Überzeugungen gründeten auf festverankerten Wertefundamenten und nachhaltiger Prinzipientreue. Oftmals vertrat er sie auch gegen seine eigene Partei. Als moralischer Vordenker war er seiner Zeit stets voraus und machte es der SPD nicht immer leicht.

Der 1926 in Ulm geborene Gymnasiallehrer trat 1952 der von Gustav Heinemann mitbegründeten Gesamtdeutschen Volkspartei bei und schloss sich nach deren Scheitern 1956 der SPD an. Von 1973 bis 1981 war Eppler Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und gehörte von 1970 bis 1991 dem Parteivorstand sowie von 1973 bis 1982 und zwischen 1984 und 1989 dem Präsidium an. Als Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission von 1977 bis 1991 nahm er Einfluss auf den Kurs seiner Partei und war maßgeblich an der Formulierung des "Berliner Programms" von 1989 beteiligt. Von 1961 bis 1976 gehörte Eppler dem Bundestag an und amtierte von 1968 bis 1974 als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er hob die deutsche Entwicklungspolitik auf neue Gleise und setzte auf alternative und zukunftsgerichtete Förderstrukturen. Mit ihm starb nun das letzte Mitglied des Kabinetts Kiesinger. Eppler war Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche und von 1981 bis 1983 sowie von 1989 bis 1991 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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