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Ortstermin: Wanderausstellung zu Willy Brandt im Bundestag
Lisa Brüßler
Von Frieden, Freiheit und Brücken

"Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts", so erklingt Willy Brandts Stimme aus den Lautsprechern in der Halle des Berliner Paul-Löbe-Hauses. Hier feierte vergangene Woche die Ausstellung "Willy Brandt - Freiheitskämpfer, Friedenskanzler, Brückenbauer" ihren Auftakt. Graphic Recorder Sebastian Lörscher steuerte dazu eine Illustration Brandts bekannter Rede "Mehr Demokratie wagen" aus 1969 bei. Mit schnellen Strichen füllte er auch bei der Eröffnung ein großes Plakat mit Figuren, Worten und Impressionen aus den Reden. "Weil Brandt in diesen umkämpften Zeiten in starken Bildern spricht, war es nicht schwierig, Motive zu finden", sagte er. Live zu illustrieren, sei da deutlich komplexer.

Viele der Themen, die Willy Brandt beschäftigten, seien noch immer hochaktuell, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Eröffnung. Am 21. Oktober 1969, vor knapp 50 Jahren, wurde Brandt zum ersten sozialdemokratischen Kanzler der Bundesrepublik gewählt. "Willy Brandt wollte mehr Demokratie wagen, und seine Worte haben einen festen Platz im politischen Gedächtnis unseres Landes", sagte Schäuble. Brandt war langjähriger Abgeordneter, Bundesminister und später Bundeskanzler. Der Bundestag sei daher ein passender Ort für die Eröffnung der Wanderausstellung. Durch seine Reformen habe Brandt maßgeblich zur Modernisierung der Bundesrepublik beigetragen, aber auch Wege zu den östlichen Nachbarn geöffnet. Sein Ziel sei es auch gewesen, "das Gefühl für die Einheit der Nation wachzuhalten". Gleichzeitig habe er mit Handlungen wie dem Kniefall von Warschau auch seine Gegner berührt, betonte Schäuble. "Sein politisches Vermächtnis steht in keinem Verhältnis zu seiner kurzen Amtszeit", sagte er.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Bundeskanzler- Willy-Brandt-Stiftung. Der Bundestag hatte vor 25 Jahren mit den Stimmen aller Abgeordneten beschlossen, eine Stiftung zu errichten, um an Brandts Wirken zu erinnern. Ihr Kuratoriumsvorsitzender, Wolfgang Thierse (SPD), betonte, dass die Erinnerung an Brandt auch 27 Jahre nach dessen Tod lebendig sei. "Willy Brandts Entspannungspolitik hat mich dazu gebracht, Sozialdemokrat zu werden. Durch ihn habe ich begriffen, was sozialdemokratische Politik sein kann und muss", sagte der ehemalige Bundestagspräsident. In seiner Partei erinnere man sich mit fast "pathetischer Sentimentalität" an ihn. Zugleich habe es aber auch vieler Kämpfe bedurft und Brandt sei denunziert und gehasst worden, bevor er zur Jahrhundertfigur wurde, sagte Thierse.

Die Ausstellung aus Exponaten, digitalen Angeboten und interaktiven Stationen zeigt verschiedene Facetten seiner Person, sagte Kurator Stefan Paul-Jacobs. "Die Besucher lernen Brandt als Parlamentarier, Nazi-Gegner, Regierenden Bürgermeister Berlins, Außenminister, Bundeskanzler, Nobelpreisträger und Weltpolitiker kennen." Auch Themen rund um Umwelt, Sozialismus, Widerstand, Flucht und Europa spielen in der Ausstellung, die in Kapitel gegliedert ist, eine Rolle.Lisa Brüßler

Die Ausstellung kann noch bis zum 8. November 2019 (Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr) nach vorherigen Anmeldung unter ausstellungen@bundestag.de im Paul-Löbe-Haus besucht werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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