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KULTUR
Alexander Weinlein
Umstrittener Beitrag für Europa

Robert Menasse trotz Kritik mit Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet

Begleitet von Kritik aus den rheinland-pfälzischen Oppositionsparteien CDU und AfD ist der Wiener Autor Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet worden. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) übergab die höchste kulturelle Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz am vergangenen Freitag im Staatstheater Mainz an den Schriftsteller für dessen "beeindruckendes literarisches Gesamtwerk" und sein "engagiertes Streiten" für die europäische Idee. Der Literaturpreis wird seit 40 Jahren im Andenken an den in Rheinhessen geborenen Schriftsteller Zuckmayer für "Verdienste um die deutsche Sprache und um das künstlerische Wort".

Falsche Zitate Menasse war in den vergangenen Monaten wegen seines Umgangs mit falschen Zitaten und historischen Fakten in die Kritik geraten. In seinem Roman "Die Hauptstadt, für den er 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden ist, verlegt er den Ort einer Rede des ersten Kommissionspräsidenten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, zur Überwindung des Nationalstaates in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Auch in Essays und Reden hatte der Schriftsteller Hallstein falsche Zitate in den Mund gelegt.

Menasse hatte sich vor der Preisverleihung zwar dafür entschuldigt, dass er auch in "öffentlichen Äußerungen und nicht-fiktionalen Texten" Hallstein Zitate zugeschrieben hat, die dieser so nicht gesagt hatte. Der Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion übte trotzdem massive Kritik an der Verleihung der Zuckmayer-Medaille an Menasse und warf der Landesregierung politische Voreingenommenheit vor. "Herrscht im Mainzer Hofstaat Narrenfreiheit für Linksintellektuelle, heiligt der Zweck jedes Mittel? Oder reihen sich Menasses Äußerungen allzu gut in ein moralisch aufgeladenes Weltbild ein, das subjektiv als das bessere empfunden wird, egal ob wahr oder nicht", schrieb Baldauf in einem Gastkommentar für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". In Zeiten von "Fake News" und "Lügenpresse" gehe es zu weit, Menasses "Geschichtsklitterung" als "engagiertes Streiten" zu etikettieren. Die Verleihung der Zuckmayer-Medaille sei deshalb "ein schwerer Fehler", schrieb der CDU-Politiker.

Der von Ministerpräsidentin Dreyer berufenen Auswahlkommission für den Preis unter dem Vorsitz von Kulturminister Konrad Wolf (SPD) gehörten unter anderem die letztjährige Preisträgerin, die japanische Schriftstellerin Yoko Tawada, der Verleger Joachim Unseld, der Mainzer Theaterintendant Markus Müller und Reinhard Dietzen von der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft an.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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