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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Fortschritt in Freundschaft

Wenn sich dieser Tage unter den Weihnachtsbäumen wieder die Elektro- und Plastikoffensive aus China auftürmt, wissen wir, die Freunde aus Fernost sind uns ganz nah. Verträumt und dankbar blicken wir zwischen Kerzen auf den Fortschritt und entdecken inmitten der guten Gaben das schönste Geschenk - die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Chinesen in Vergangenheit und Gegenwart: Die Mauer, die charismatischen politischen Anführer, die Liebe zu Bären, das Reich der Mitte und die Mitte im Reichstag.

Ist nicht der chinesische Präsident Xi Jinping auch so ein verschnuffelter Panda, der Heiligabend zutraulich zwischen unseren Beinen krabbeln könnte, während wir die Bio-Gans aus Brandenburg entkernen? Sind wir ehrlich: Die Chinesen waren uns immer schon gedanklich voraus, nehmen wir segensreiche Entwicklungen wie Silvesterkracher oder Tattoos. Neuerdings ist auch den Huawei-Smartphones der Schrecken abhandengekommen, nachdem die Firma klargestellt hat, dass die praktische Mithörfunktion des chinesischen Staatsapparates nur bei Abgeordneten und Regierungsmitgliedern freigeschaltet wird.

Auch parlamentarisch wollen wir nun rasch nachziehen. Noch ist der chinesische Volkskongress mit rund 3.000 Abgeordneten größer als der Bundestag. Aber wir holen zügig auf. Derzeit sind es 709 Volksvertreter, demnächst könnten wir die 800 schaffen. Leider ist unsere Halle des Volkes etwas klein, weshalb die Masse künftig wohl in praktischen Containern hockt. Für Plenardebatten käme das Olympiastadion in Betracht. Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: "Das Leben meistert man lächelnd - oder gar nicht."Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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