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BILDUNG
Alexander Weinlein
Humboldt als Vorbild

Bundestag debattiert über Verbesserung der Wissenschaftskommunikation

Nach Ansicht der Koalitionsfraktionen sollen wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich und verständlich vermittelt werden. In ihrem gemeinsamen Antrag (19/16044), über den der Bundestag am vergangenen Donnerstag erstmals beriet, fordern CDU/CSU und SPD die Bundesregierung deshalb unter anderem auf, die Programme und Projekte zur Vermittlung vor allem von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) an Kinder, Jugendliche und in der Erwachsenenbildung finanziell abzusichern. Bei den Oppositionsfraktionen stieß die Zielsetzung des Antrags zwar weitestgehend auf Zustimmung. FDP, Linke und Bündnis 90/Die Grünen kritisierten ihn als unzureichend.

Stefan Kaufmann (CDU) verwies auf Alexander von Humboldt. Der exzellente Naturforscher habe mit seinen Lesungen, Artikeln und Essays ein breites Publikum begeistert. Er gelte deshalb als "Vorbild und auch als Vorreiter in der Wissenschaftskommunikation", sagte Kaufmann. In den zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und technischer Fortschritte sei es unerlässlich, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

In diesem Sinne argumentierte auch die SPD-Parlamentarierin Bärbel Bas. Die Debatten über "Fake News" zeigten, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer stärker infrage gestellt würden. Zuletzt habe sich dies in der Debatte über die Impfpflicht gezeigt.

Kritik der Opposition Der FDP-Abgeordnete Thomas Sattelberger monierte, der Koalitionsantrag sei "noch dürftiger" ausgefallen als das von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) vorgelegte Papier zur Wissenschaftskommunikation. Sie enthielten keine Ansätze, "wie man Bakteriologinnen zum Bloggen bewegt" oder "wie man mehr MINT-Youtouberinnen gewinnt".

Petra Sitte (Linke) hielt der Koalition vor, ihr Antrag nenne "über weite Teile lediglich Projekte, die längst laufen, und was die Wissenschaft bereits selbst leistet". Zusätzliche finanzielle Ressourcen seien ebenfalls nicht eingeplant. Eine wissenschaftsmündige Gesellschaft erfordere aber zwingend eine ausfinanzierte Wissenschaft, sagte Sitte.

Anna Christmann (Grüne) bemängelte ebenfalls, dass der Antrag kaum konkrete Vorschläge enthalte. Es sei zwar richtig, dass die Bundesregierung sich um die zunehmende Skepsis gegenüber wissenschaftlicher Expertise sorge, aber sie habe dieser Skepsis in der Feinstaubdebatte selbst Vorschub geleistet, idem sie einem "zweifelhaften Gutachten hinterhergelaufen" sei.

Der AfD-Parlamentarier Marc Jongen wiederum warf Ministerin Karliczek vor, sie überfrachte die Wissenschaft mit fremden Aufgaben. Wissenschaftler seien "keine PR-Agenten und Politaktivisten". Die Debatte über den menschgemachten Klimawandel beispielsweise sei überlagert "von milliardenschweren Interessen" und "Verzerrungen durch politisch interessierte Gruppen" ausgesetzt. Der Begriff "Klimaleugner" werde von manchem inzwischen "auf eine Ebene mit dem des Holcaust-Leugners" gestellt, sagte Jongen.

Bildungsministerin Karliczek hielt Jongens Kritik entgegen, dass 99 Prozent der Wissenschaftler weltweit der Meinung seien, dass ein Teil des Klimawandels menschengemacht sei. Trotzdem werde dies immer wieder bestritten. "Was schließen wir daraus? Dass wir klarer kommunizieren müssen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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