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Schäden
Jan Eisel
Stress im Wald

Bundestag beschließt Antrag zum Waldumbau. Streit um den richtigen Weg

Der Wald in Deutschland soll umgebaut werden. Doch wie in Anbetracht von enormen Schäden durch Nässe, Trockenheit und Stürme in den vergangenen zwei Jahren der Waldumbau vorangetrieben werden soll, beantworten die Fraktionen des Deutschen Bundestages sehr unterschiedlich. Während CDU/CSU und SPD den Umbau hin zu mehr Mischwäldern mithilfe von Fördermitteln, Forschung und Hilfsangeboten begleiten wollen, betrachten Grüne die Naturverjüngung, Liberale neue Züchtungsmethoden und Linksfraktion sowie AfD-Fraktion die Förderung der Kleinwaldbesitzer als erstes Mittel der Wahl.

Der Wald ist nachhaltig gestresst, anfällig für Schädlinge und auf rund 180.000 Hektar beschädigt, resümierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die Lage. In der Folge sei der Holzmarkt durch ein Überangebot zusammengebrochen, die Kosten für die Waldbesitzer würden stetig steigen und es gebe zu wenige Lagerplätze. Die Waldbesitzer hätten viel Geld investiert und nun verloren. Die Gesellschaft müsse den Waldbesitzern beispringen. Nur auf die "Naturverjüngung" und die "Verurwaldung" zu warten, sei hingegen unverantwortlich, konterte Klöckner entsprechende Vorschläge seitens der Grünen. Die Bundesregierung wolle nun eine halbe Milliarde Euro für den Wiederaufbau und Umbau der Wälder bereitstellen. Zusammen mit den Hilfen aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) stünden somit insgesamt 800 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sollen auch die Kleinwaldbesitzer durch höhere Förderung profitieren.

Dass die Kleinwaldbesitzer gestärkt werden müssen, mahnte auch Peter Felser (AfD) an. Denn ein Viertel der Flächen in Deutschland seien Kleinstwald. Felser warb für eine schnelle, gerechte und einfache Förderung. Kleinwaldbesitzer sollten auch flächendeckend durch die Forstämter beraten und unterstützt werden. Die Bundesregierung sei allerdings in den vergangen Jahren dafür verantwortlich gewesen, dass entsprechende Strukturen reduziert wurden und das Personal nun überaltert sei.

Waldschäden Dass sich die klimatischen Veränderungen massiv auf die Wälder auswirken, stellte Dirk Wiese (SPD) fest. Mittlerweile sei sogar das Laubholz betroffen und nicht nur das Nadelholz. Ziel solle nun sein, die Waldschäden zu beheben, das Käferholz zu entfernen und Mischwälder zu fördern. Außerdem werde eine Waldbrandpräventionsstrategie auf den Weg gebracht, mehr qualifiziertes Forstpersonal in den Bundesländern vorgehalten und auf EU-Ebene zusätzlich gewonnen. Auch müsse das Bauen mit Holz gefördert werden, damit sich die Preise auf dem Markt erholen können, sagte Wiese.

Frank Sitta (FDP) forderte, die Klimaschutzleistung des Waldes zu honorieren. Der Abgeordnete sah die Bundesregierung in der Pflicht, den Waldbesitzern ein Angebot zu machen, denn Waldschutz sei aktiver Klimaschutz. "Aber die Regierung lässt mit konkreten Maßnahmen auf sich warten", kritisierte Sitta. Die Ministerin inszeniere sich zu Weihnachten als große Spendenverteilerin, doch wofür das Geld ausgegeben werden soll, sei nicht klar. Es brauche stattdessen biotechnologische Innovationen zur Entwicklung robuster Sorten durch neue Züchtungsmethoden. Das müsse als Chance für den Wald endlich erkannt werden.

"Nach Orkanen und Dürren ist der heimische Wald nun in Gefahr", sagte Kirsten Tackmann (Die Linke). Tackmann monierte, dass Die Linke bereits im Sommer ein Hilfsprogramm gefordert hatte, das aber abgelehnt worden war. Schnelles Handeln sei erforderlich, wenn verhindert werden soll, dass die Kleinwaldbesitzer angesichts der auf sie zukommenden Kosten ihre Flächen verkaufen. Jetzt stehe die Holzindustrie in der Pflicht, nicht nur Nadelholz zu verarbeiten, wenn aus ökologischen Gründen Laubholz geboten sei.

"Der Geldsegen der Bundesregierung wird nicht alle Probleme lösen", sagte Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen). "Jene Bundesländer, die nicht so liquide sind, können davon nicht genug abrufen, wenn sie zuzahlen müssen", sagte Ebner. Nun seien eine nachhaltige und naturverträgliche Waldbewirtschaftung die Voraussetzung für den Waldumbau, denn niemand könne sagen, was in 50 Jahren im Wald wächst. Ebner sprach sich deshalb dafür aus, das Potenzial der Naturverjüngung in den Wäldern zu nutzen und die Bewirtschaftung zurückzufahren.

"Das Schadholz in den Wäldern muss beseitigt werden", forderte hingegen Alois Gerig (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft. Dafür würden die Forstleute und Waldbesitzer Hilfe brauchen. Seinem Vorredner entgegnete Gerig, dass allein mit der Naturverjüngung die Probleme nicht gelöst werden können. "Auch Buchen und Eichen sind von Trockenschäden betroffen", sagte Gerig. "Schützen durch Nützen" müsse die Devise heißen.

Beschlüsse Der Bundestag nahm im Anschluss an die Debatte einen Koalitionsantrag (19/11093) an, der auf einen forcierten Waldumbau zielt. Ein Antrag der AfD-Fraktion zur Unterstützung der Waldbesitzer (19/13528) wurde abgelehnt. Auch ein Antrag der FDP-Fraktion zum Waldschutz (19/9925) und Anträge der Fraktionen Die Linke (19/11104) und Bündnis 90/Die Grünen (19/13079) fanden keine Mehrheit (siehe Beitrag unten).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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