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Gastkommentare - Contra
Joachim Wille, freier Journalist
Nicht schnell genug

Passt das Kohle-Ausstiegsdatum?

A ufatmen, fast bei allen. Endlich steht die Blaupause für den Kohleausstieg. Die Kohlekommission der Bundesregierung hat 2038 als Enddatum festgelegt, mit einer kleinen Chance, es auf 2035 vorzuziehen. Dann soll das letzte Kohlekraftwerk spätestens vom Netz genommen werden.

Nur leider: Ein Ausstieg 2035 bis 2038 entspricht nicht den Vorgaben des Pariser Weltklimavertrags, laut dem die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Um damit kompatibel zu sein, hätte 2030 als Schlusspunkt fixiert werden müssen, betonen Klimaforscher. Und die Tatsache, dass das Klima nicht mit sich verhandelt lässt, kann keine Kommission außer Kraft setzen.

Dass 2030 der Fluchtpunkt ist, war kein Insiderwissen. Es war genau die Forderung, mit der die Klima-Fachleute und die Vertreter der Umweltverbände in die Debatte eingetreten waren. Nur, in der Kommission durchsetzbar war 2030 eben nicht. Zu viele andere Interessen spielten hier mit.

So bleibt nur die Hoffnung, dass der weitere Umstieg auf die erneuerbaren Energien, nun, da der Kohle-Ausstiegspfad da ist, in der Praxis schneller laufen wird als vorgesehen. So etwas hat Deutschland schon einmal erlebt - bei der Einführung des Ökostroms per EEG. Wind- und Solarstrom wurden in den 2010er Jahren so schnell billiger, dass alle Prognosen übertroffen wurden. Heute beträgt der Erneuerbare-Anteil bereits fast 40 Prozent.

Einen solchen Turbo braucht es nun erneut - durch höhere Ausbauziele, Investitionen in Ökostrom-Speicherung, Flexibilisierung des Strommarkts. Nicht auszuschließen, dass die schwerfälligen Kohle-Dinosaurier dann doch noch schneller vom Netz genommen werden können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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