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Gastkommentare - Pro
Ursula Weidenfeld, freie Journalistin
Im Grundsatz gut

Kindergrundsicherung statt Einzelleistungen?

A rme Eltern haben arme Kinder. Für den Lebensunterhalt dieser Kinder zahlen Sozialamt oder Jobcenter einen Zuschuss. Den Antrag für den Schulranzen bearbeitet ebenfalls das Sozialamt, den Zuschuss für die Klassenreise können die Eltern auch beantragen. Schwächelt der Nachwuchs in der Schule, gibt es auch noch ein Formular für die Kostenübernahme der Nachhilfe. Diese Einzelleistungen mit der Hilfe zum Lebensunterhalt zusammenzufassen und als Kindergrundsicherung auszuzahlen, ist vernünftig.

Die SPD-Pläne sind es nicht. Sie sind zu teuer, sie schaffen falsche Anreize. 20 Milliarden Euro zusätzlich zu zahlen, damit jedes Kind eine Grundsicherung von 620 Euro im Monat erhält, ist Unsinn.

Aber grundsätzlich geht die Überlegung, die schon existierenden kindbezogenen Leistungen zusammenzufassen und pauschal an die Eltern auszuzahlen, in die richtige Richtung. An die Eltern? Ja, wer soll das Geld denn sonst bekommen? Dafür müssten sich Parlamentarier, Bildungsbürger und Jugendämter aber von dem Vorurteil lösen, arme Eltern gäben das Geld lieber für Schnaps und Tabak aus als für Nachhilfe- oder Musikstunden.

Mit einer Kindergrundsicherung würde mit dem Generalverdacht gegen diese Eltern Schluss gemacht. Selbst wenn es am Ende nicht der Klavierunterricht wird, sondern ein Familienessen bei McDonalds - wäre das so schlimm? Wenn Kinder, wie es der frühere Caritas-Chef Georg Cremer vorrechnet, in der Berechnung zum Existenzminimum insgesamt zu schlecht wegkommen, könnten die Familien vielleicht nur selbstbestimmter leben. Schon das würde die Aussichten des Nachwuchses verbessern, das eigene Leben später ohne Hilfe vom Sozialamt bestreiten zu können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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